Die feierliche Inbetriebnahme der neuen Power-to-Heat-Anlage (v.l.n.r.): Egbert Geier, Bürgermeister Halle (Saale); Olaf Schneider, Geschäftsführer der EVH; Matthias Lux, Geschäftsführer der Stadtwerke Halle; Staatssekretär Thomas Wünsch vom Ministerium für Wissenschaft des Landes Sachsen-Anhalt und Frank Golletz, Technischer Geschäftsführer 50Hertz

Die feierliche Inbetriebnahme der neuen Power-to-Heat-Anlage (v.l.n.r.): Egbert Geier, Bürgermeister Halle (Saale); Olaf Schneider, Geschäftsführer der EVH; Matthias Lux, Geschäftsführer der Stadtwerke Halle; Staatssekretär Thomas Wünsch vom Ministerium für Wissenschaft des Landes Sachsen-Anhalt und Frank Golletz, Technischer Geschäftsführer 50Hertz

Bilder: © Stadtwerke Halle

Der Ausbau des Übertragungsnetzes dauert Jahre – in Halle (Saale) ist eine Power-to-Heat-Anlage nach nur 13 Monaten Bau bereits am Netz. Der zuständige Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz betonte bei ihrer Einweihung am Montag, was für eine naheliegende und schnell umsetzbare Lösung die Anlage zum Reduzieren der Redispatch-Kosten ist, während man auf den Netzausbau wartet.

Die erste Anlage dieser Art in Sachsen-Anhalt gleicht die Spitzenlasten aus und speist Wärme ins Fernwärmenetz ein. "Im südlichen Sachsen-Anhalt gibt es ein großes Aufkommen an Windenergie und daher einen großen Druck auf die Stromnetze", sagt Frank Golletz, Technischer Geschäftsführer von 50Hertz.

Die Power-to-Heat-Anlage im Energiepark hat eine Leistung von 45 MW. Die Kosten von etwa 8,5 Mio. Euro finanzierte 50Hertz vollständig und setzte das Projekt gemeinsam mit der EVH, dem Energieunternehmen der Stadtwerke-Halle-Gruppe, im Energiepark Dieselstraße um.

In einem Elektrodenheizkessel wird Wasser auf 130° C erhitzt und dann in den Wärmespeicher des benachbarten KWKs geleitet. Dabei geht nahezu keine Energie verloren, da der Wirkungsgrad beeindruckende 99,9 Prozent beträgt.

Dass diese innovative Anlage in Halle entstanden ist, sei eigentlich keine Überraschung, erklärt Egbert Geier (SPD), der Oberbürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsrat in Halle (Saale). Denn die Entwicklung der Fernwärme in der Stadt sei schon seit Jahren vorbildlich. Mittlerweile liegt der Abdeckungsgrad bei den Haushalten bei 60 Prozent.

Wärmeplanung begann schon 2016

Bei der kommunalen Wärmeplanung, die früher noch nicht so genannt wurde, setzt Halle seit 2016 auf einen Stakeholder-Ansatz: Die Energie-Initiative Halle (Saale) entstand auf Anregungen aus der Wohnungsindustrie zusammen mit den Stadtwerken und ist mittlerweile ein breites Bündnis von 36 lokalen Partnerinnen und Partnern, um die Energiewende in Halle voranzutreiben.

"Jedes Bauvorhaben der EVH hat das Ziel, die Energieversorgung sicher, bezahlbar und ökologisch zu gestalten", sagt Olaf Schneider, Geschäftsführer der EVH.

Das ehrgeizige Ziel, die Saalestadt mit einer Ökostromquote von 100 Prozent zu versorgen, soll bis 2040 erreicht werden. Auch in der Fernwärme ist noch viel zu tun: Fast vollständig kommt diese aus zwei Gaskraftwerken, eines davon ist im Energiepark Dieselstraße.

Erst Gesetz schuf Grundlage

Im Zuge der Modernisierung und Erweiterung des Energieparks Dieselstraße von 2018 bis 2020 wurde schon im neu errichteten Kraftwerksblock die Implementierung einer solchen Power-to-Heat-Anlage vorbereitet. Zu diesem Zeitpunkt war aufgrund rechtlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen die Errichtung jedoch nicht darstellbar, da die Finanzierung durch den Netzbetreiber nur in küstennahen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern durch das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) sichergestellt war.

Diese Einschränkung wurde jedoch abgeschafft, sodass Anlagen wie jetzt in Halle auch in südlicher gelegenen Regionen mit Hilfe des Übertragungsnetzbetreibers realisiert werden können.

KWP in den finalen Zügen

Derzeit wird in Halle (Saale) ein Wärmetransformationsplan entwickelt, welcher die vollständige Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung bis 2045 zum Ziel hat und die Potenziale erneuerbarer Wärme untersucht und deren schrittweise Erschließung beinhalten wird. „Es liegen noch viele Schritte vor uns, bis wir unser Ziel, klimaneutral zu sein, erreichen", sagt Matthias Lux, Vorsitzender Geschäftsführer der Stadtwerke Halle.

Neben der PtH-Anlage sind beispielsweise Projekte in Vorbereitung, welche die Nutzung von Umweltwärme aus Fluss- und Abwasser mit Großwärmepumpen bis 2027 ermöglichen sollen. (pfa)

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