Energiespeicher sind weiter im Aufwind.

Energiespeicher sind weiter im Aufwind.

Bild: © malp/AdobeStock

Die deutsche Energiespeicherbranche ist ungebrochen auf Wachstumskurs. In 2019 erzielten die Unternehmen 5,5 Milliarden Euro Umsatz (Inland und Ausland) und zählten 13.000 Beschäftigte, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Ein ähnliches Wachstum wird für das laufende Jahr erwartet, mit einem Umsatz von sechs Mrd. Euro.

„Das Wachstum findet unterschiedlich ausgeprägt in allen Speichertechnologien statt, über die Sektoren gibt es jedoch deutliche Unterschiede“, sagte Urban Windelen, Geschäftsführer des Bundesverbands Energiespeicher (BVES) am Donnerstag in Berlin. So boomt vor allem der Absatz von Industriespeichern, Heimspeichern, Wärmespeichern und Ladeinfrastruktur. In 2019 erzielten die Industriespeicher einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro, gefolgt von Wärmespeichern mit 950 Mio. Euro, Heimspeichern mit 660 Mio. Euro sowie Ladeinfrastruktur mit Speichern (200 Mio. Euro). Für die Industriespeicher wird trotz sinkender Preise ein weiteres deutliches Umsatzplus erwartet. Eingesetzt werden sie unter anderem zur unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) und Notstromversorgung, dem Peak-Shaving, der Optimierung von Industrieprozessen.

Stark sinkende Zellpreise bei Batterien

Der weiter wachsende Wärmespeichermarkt (erwarteter Umsatz in 2020 eine Mrd. Euro) wird laut BVES vor allem durch den weiter ungebremsten Zubau von Wärmepumpen getragen mit allein 86.000 neu installierten Pumpen (inkl. Speicher) alleine im Jahr 2019. Bei den Kraftwerks-Wärmespeichern geht der Trend zu größeren Anlagen. Bei Heimspeichern ist ebenfalls mit einem deutlichen Zuwachs zu rechnen mit einem Umsatzwachstum auf 780 Mio. Euro in 2020 und einem Anstieg der installierten Leistung von 680 MW in 2019 auf 930 MW im laufenden Jahr.

„Wichtiger Treiber hierfür ist die E-Mobilität“, unterstrich Windelen. Denn immer mehr Hauseigentümer setzen auf Solarstrom vom eigenen Dach mit Batteriespeichern, um ihre E-Fahrzeuge zu laden. Zudem steigt die Leistung der Heimspeicher und die Batteriepreise fallen weiter, so die Einschätzung des BVES. Konkrete Zahlen zu Battteriepreisen wollte Windelen nicht nennen. Doch sanken die Batteriezellpreise laut seinen Angaben in 2019 auf rund 100 Euro pro Kilowattstunde (kWh), von circa 150 – 180 Euro/kWh im Vorjahr und es wird ein weiterer Rückgang erwartet.

Starker Preisverfall bei der Primärregelleistung

„Der Markt für Großbatteriespeicher und Pumpspeicher ist allerdings herausfordernd“, so Windelen. So setzten deutsche Unternehmen im Jahr 2019 mit Pumpspeichern zwar 1,9 Mrd. Euro um, jedoch größtenteils im Ausland und für die kommenden Jahre wird nur eine leichte Umsatzsteigerung erwartet. Für Großbatteriespeicher, die zur Netzstabilisierung eingesetzt werden, wird zwar ein Anstieg der installierten Leistung von 453 Megawatt (MW) in 2019 auf 517 MW im laufenden Jahr erwartet, doch sei dies vor allem auf die Fertigstellung älterer Projekte zurückzuführen.

„Aufgrund des starken Preisverfalls bei der Primärregelleistung fehlt derzeit die Geschäftsgrundlage“, sagte Windelen. Denn im vergangenen Jahr ist der PRL-Preis auf unter 1000 Euro/MW gefallen, fünfmal weniger als im Jahr 2015. „Das neu eingeführte tägliche Ausschreibungsverfahren der PRL wie auch die ersten von der Bundesnetzagentur zugelassenen Netzbooster lassen allerdings neue Projekte in den Folgejahren erkennen“, so Windelen.

Regulatorischer Rahmen das Wachstumshemmnis

120 Mio. Euro setzten deutsche Unternehmen mit Power2Gas-Projekten um. „Doch hat PtX bis auf Inselprojekte derzeit noch keine Marktreife“, sagte Windelen. Rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen wirkten hier weiter markthemmend. Dies gelte im übrigen auch für das gesamte Geschäft mit Energiespeichern in Deutschland, wie eine repräsentative Umfrage von 3Energie Consulting im Auftrag des BVES zeigte.

51 Prozent der befragten Unternehmen sehen im regulatorischen Rahmen das größte Wachstumshemmnis für den Energiespeichermarkt. Seien es die EEG-Abgaben aufgrund der Einordnung des Speichers als Verbraucher, langwierige Genehmigungsverfahren, Netzanschlussbedingungen, die Intransparenz der geltenden Regelungen oder der 52 Gigawatt Deckel für den Photovoltaik-Zubau im Rahmen des EEG. (hcn)

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