Olaf Lies, Niedersachsens Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (SPD)

Olaf Lies, Niedersachsens Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (SPD)

Bild: © Peter Steffen/dpa

Grüner Wasserstoff werde zu einem zentralen Baustein der Energiewende. Und Niedersachsen habe beste Voraussetzungen, zum europäischen Leitmarkt für die Erzeugung, den Transport und die Nutzung von grünem Wasserstoff und daraus erzeugter Folgeprodukte zu werden, teilte das Umweltministerium Niedersachsen in einer Presseerklärung mit.

„Verschiedene Anwendungen existieren bereits, wir sind aber noch weit entfernt von einer tatsächlich umfassenden Wasserstoffwirtschaft“, erklärte Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies (SPD).

Lies: Bald in die großflächige Anwendung kommen

„Wir müssen jetzt aufs Tempo drücken und bei erneuerbar erzeugtem Wasserstoff in die großflächige Anwendung kommen – und zwar im industriellen Maßstab“, unterstrich Lies am Montag in Hannover beim Live-Talk „Unsere Wasserstoffzukunft gestalten“.

Andernfalls sei weder die Energiewende zu schaffen noch seien die Klimaschutzziele zu erreichen. Wasserstoff sei Energieträger und genauso Grundstoff zur Dekarbonisierung der Industrie wie in der Chemie und bei der Stahlproduktion.

Produktionskapazitäten ausbauen - gut ausgebaute Verteilnetzstruktur nötig

„Wir müssen allerdings heute schon dafür sorgen, dass sehr schnell die Produktionskapazitäten für grünen Wasserstoff ausgebaut werden. Wir werden in starkem Maße die Produktion von grünem Wasserstoff und den Import im Norden des Landes erleben und brauchen daher eine gut ausgebaute Verteilnetzinfrastruktur“, erklärte Lies. Hinzu kämen die hervorragenden Speichermöglichkeiten durch die Kavernen im Norden.

Tim Meyerjürgens, Mitglied der Geschäftsführung des Netzbetreibers TenneT, wies laut der Pressemitteilung auf wichtige Voraussetzungen für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft hin: „Wir müssen das Thema Wasserstoff und dessen Integration in das Energiesystem sehr breit denken, viel breiter als bisher, und dabei einen übergreifenden, systemischen Ansatz verfolgen“, wird Meyerjürgens zitiert.

Meyerjürgens: Pro koordinierter Ausbau Gas- und Strominfrastruktur

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor sei die intelligente Kopplung der verschiedenen Sektoren und ein koordinierter Ausbau der Gas- und Strominfrastruktur. „Wenn wir bis 2030 eine ernsthaft relevante Menge an Wasserstoff in das Energienetz integrieren wollen, dann müssen wir heute, also sofort, damit starten“, unterstrich auch Meyerjürgens.

Jens Sprotte, Geschäftsbereichsleiter beim Bahntechnik-Unternehmen Alstom, ergänzte laut der Pressemitteilung für den Schienenverkehr, dass dieser „ein Schlüssel für die weitere Sektorkopplung“ sei. „Gerade im Bereich Wasserstoff“, so Sprotte weiter, „gilt es jetzt, gemeinsam und zeitnah konkrete Projekte zu realisieren.“

Chancen für die Wasserstoffregion Hannover aktiv erschließen

Doris Petersen, Geschäftsführerin der Hannoverimpuls GmbH (der gemeinsamen Wirtschaftsförderungsgesellschaft von Stadt und Region Hannover), fügte hinzu: „Wasserstoff wird Strukturen im Bereich Energie, Verkehr und Industrie verändern. Wir wollen die Chancen für die Wasserstoffregion Hannover aktiv erschließen und wünschen uns, dass Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft hierzu eng und auch überregional zusammenarbeiten.“

Aber noch fehlten dafür die notwendigen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, so Umwelt- und Energieminister Lies: „Hier müssen wir als Politik unsere Hausaufgaben erledigen – vor allem der Bund. Die Bundesregierung muss rasch dafür sorgen, dass die Erzeugung von grünem Wasserstoff von der EEG-Umlage befreit wird.“

Investitionszuschüsse für den Bau von Großelektrolyseuren

Die seit langem diskutierten regulatorischen Rahmenbedingungen für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur müssten schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden. Nur dann würden auch die erforderlichen Investitionen stattfinden. Wo nötig, müsse für eine Übergangszeit auch über Investitionszuschüsse, beispielsweise für den Bau von Großelektrolyseuren, nachgedacht werden.

Er begrüße es deshalb sehr, dass von Seiten der EU entsprechende Anstrengungen unternommen würden, erklärte Lies. „Das ehrgeizige Ziel der Europäischen Kommission von Klimaneutralität können wir nur mit der Nutzung der erneuerbaren Energien erreichen. Niedersachsen als Windenergieland Nummer Eins kann hier einen wichtigen Beitrag leisten“, wird die Niedersächsische Ministerin für Europaangelegenheiten, Birgit Honé, zitiert.

75 Mio. Euro aus Corona-Investitionsmitteln bereitgestellt

Niedersachsen besitze ein beeindruckendes Potenzial – sowohl bei der Herstellung, der Nutzung als auch bei der Speicherung von grünem Wasserstoff. „Wir haben die erneuerbaren Energien vor Ort, um grünen Wasserstoff zu erzeugen und wir sind bereits heute überall im Land mit Projekten gut aufgestellt, um die Potenziale zu nutzen“, so Honé

Schon jetzt gehe Niedersachsen mit gutem Beispiel voran und fördere Pilot- und Demonstrationsvorhaben der grünen Wasserstoffwirtschaft mit 75 Millionen Euro aus Corona-Investitionsmitteln.

Grüne: Wasserstoff in schwer elektrisierbaren Sektoren einsetzen

Eine Lanze pro grünem Wasserstoff und dem dafür nötigen stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien brachen auch Ingrid Nestle, Sprecherin für Energiewirtschaft und Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der Grünen Bundestagsfraktion.

Zudem sollte Wasserstoff primär vor allem in schwer elektrisierbaren Sektoren wie dem Flugverkehr und als Grundstoff für die Industrie Verwendung finden, unterstreichen sie in einer Pressemitteilung.

Erneuerbare Energien für grünen Wasserstoff verstärkt ausbauen

„Während grüner Wasserstoff von Energie-Kommissarin Kadri Simson bereits als Game Changer angepriesen wird, möchte Herr Altmaier diesen kostbaren Stoff im Wärme- und Verkehrssektor verschwenden“, erklärte Nestle.

„Wenn Bundeswirtschaftsminister Altmaier grünen Wasserstoff will, muss er gleichzeitig für den Ausbau der erneuerbaren Energien sorgen“, betonte Verlinden. Doch sende der aktuelle Entwurf für das EEG entgegengesetzte Signale. (hcn)

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