Beim "Waldgipfel" will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Maßnahmenpaket vorstellen. Bild: © Carsten Koall/dpa

Beim "Waldgipfel" will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Maßnahmenpaket vorstellen. Bild: © Carsten Koall/dpa

Für Bundesagrarministerin Julia Klöckner ist das Treffen mit jungen Landwirten in Burgdorf bei Hannover nach Monaten der Treckerdemos kein einfacher Termin: Draußen protestieren Tierschützer gegen die Agrarindustrie, drinnen brodelt es wegen neuer Vorgaben zum Umweltschutz bei den Bauern.

Vor allem die neue Düngeverordnung erhitzt die Gemüter. Im Kern geht es dabei um den Schutz des Grundwassers: Die EU-Kommission hat die Bundesregierung wiederholt ermahnt, mehr gegen die Verunreinigung des Wassers zu unternehmen. Gelingt das nicht, drohen Deutschland Geldstrafen in Millionenhöhe.

Düngeverordnung ist eine Ministerverordnung

Bei der neuen Düngeverordnung handelt es sich um eine Ministerverordnung, die in den kommenden Tagen an den Bundesrat überwiesen wird. Der Bundesrat befasst sich am 19. März im federführenden Agrarausschuss und mitberatenden Umweltausschuss sowie voraussichtlich am 3. April im Plenum damit.

Der VKU wirbt in diesem Zusammenhang für einen besseren Schutz des Trinkwassers. „Übermäßig aufgebrachte Düngemittel gefährden die Qualität der Trinkwasserressourcen – und damit die Trinkwasserversorgung unserer Bevölkerung, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft", sagt Karsten Specht, Vizepräsident des VKU.

Strengere Vorgaben "sind notwendig"

"Die neue Düngeverordnung mit strikteren Regeln ist notwendig, weil das Grundwasser vielerorts die europäischen Nitrat-Grenzwerte reißt. Wenn wir Nitrateinträge in die Gewässer reduzieren wollen, brauchen wir nicht nur zielgerichtete Maßnahmen in den nitratbelasteten Gebieten, sondern müssen diese Gebiete auch bundesweit nach den Vorgaben des Gewässerschutzes ausweisen. Nur so kann Deutschland gegenüber Brüssel glaubhaft darlegen, dass Worten nun auch endlich Taten folgen", so Specht.

Die Bauern befürchten hingegen, dass weniger Dünger auch weniger Ertrag bedeutet – viele junge Landwirte sehen deswegen ihre berufliche Zukunft in Gefahr. Ministerin Klöckner treibt die neuen Düngeregeln trotzdem voran. In Burgdorf wirbt sie um Verständnis und nimmt die Bauern in die Pflicht.

Mehr Düngung als Pflanzen brauchen

Zu behaupten, die Landwirtschaft habe keine Auswirkungen auf die Nitratwerte im Grundwasser, sei «eine steile These» – so ehrlich müsse man sein, sagt die CDU-Politikerin. Allein in Niedersachsen setzten die Landwirte zuletzt binnen eines Jahres rund 50.000 Tonnen Stickstoff mehr ein als die Pflanzen zur Düngung gebraucht hätten.

Bei den jungen Landwirten herrscht hingegen das Gefühl vor, sie müssten das ausbaden, was ihre Vorgänger verbockt haben. «Wir als junge Generation sind nicht gewillt, für das Handeln voriger Generationen, das jahrzehntelang geltendem Recht entsprach, jetzt kollektiv in großen Teilen des Landes bestraft zu werden», sagt Niklas Behrens, Vorsitzender der Junglandwirte Niedersachsen. «Wir werden nicht sehenden Auges unseren Höfen ein Grab schaufeln.»

Neue Regeln nur auf Teilgebieten

Klöckner verweist indes auf Teilerfolge: Im Ringen mit der EU habe sie bereits erreicht, dass die verringerte Düngung nicht flächendeckend, sondern nur in belasteten Gebieten gelten werde. Die Messbedingungen müssten zudem bundesweit einheitlich sein. Deutschland stehe aber nicht am Anfang eines Dialogs mit der EU, sondern am Ende eines juristischen Prozesses. «Wir sind verklagt worden und waren in allen Punkten unterlegen», sagte Klöckner.

Eine große Chance sieht die Ministerin dagegen in der Digitalisierung. Mit präziseren Maschinen und genaueren Daten könne die Branche künftig mit weniger Ressourcen mehr Menschen satt machen. Diejenigen, die die Modernisierung umsetzen sollen, sind weniger euphorisch. Die Digitalisierung könne ein Baustein für die Zukunft der Landwirtschaft sein, sagt Behrens. Für viele kleine und mittlere Betriebe seien die modernen Geräte aber schlicht zu teuer. (dpa/hp)

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