Bundesumweltministerin Svenja Schulze bei der PtX-Konferenz des BMU am Dienstag in Berlin

Bundesumweltministerin Svenja Schulze bei der PtX-Konferenz des BMU am Dienstag in Berlin

Bild: © hcn

"PtX muss zuerst für diejenigen bereit stehen, die keine Alternativen haben, klimaneutral zu werden, wie die Stahl- oder Chemiewerke, Schiffe oder Flugzeuge". Dies unterstrich Schulze (SPD) am Dienstag bei einer Power-to-X-Konferenz des Bundesumweltministeriums in Berlin. Derzeit werde geprüft, inwieweit der Markthochlauf von PtX im Luftverkehr durch eine Quote forciert werden könne. Dagegen sei es aufgrund der höheren Effizienz und der konkurrierenden Nutzungsansprüche um erneuerbaren Strom sinnvoller, Autos nicht mit synthetischen Kraftstoffen, sondern batterieelektrisch zu betreiben.

Schulze plädierte dafür, in Deutschland auch aus industriepolitischen Gründen rasch Elektrolysekapazitäten aufzubauen und einen Markthochlauf anzureizen. Wobei Voraussetzung hierfür ein Abbau der Hemmnisse für den Ausbau der erneuerbaren Energien, vor allem bei der Windkraft, sei. "Doch ist klar, dass wir PtX international denken und vorantreiben müssen", betonte die Bundesumweltministerin. "Wir werden es wohl niemals schaffen, in Deutschland alles grüne PtX selbst zu produzieren, doch es geht darum, den Markt von hier aus zu unterstützen und die Techniken von hier aus zu verbreiten", sagte sie.

Marokko als wichtiges künftiges Exportland

Ein wichtiges Land für die Erzeugung klimaneutraler synthetischer Brenn-, Kraft- und Grundstoffe ist Marokko, wie bei der gut besuchten Fachkonferenz deutlich wurde. "Neben der Windkraft eröffnet uns vor allem der kostengünstige Solarstrom attraktive Möglichkeiten für die PtX-Erzeugung", betonte Badr Ikken, Direktor des Moroccan Research Institute for Solar Energy and New Energies (IRESEN). Denn mittlerweile lägen die Stromgestehungskosten der Photovoltaik aus großen Freiflächenanlagen in dem nordafrikanischen Land bei nur 2,5 bis 3 Cent/kWh.

Flächen- und Akzeptanzprobleme sieht Ikken dort sowohl bei der Windkraft als auch bei Photovoltaik nicht. Attraktiv sei PtX sowohl zur Dekarbonisierung der eigenen Industrie, vor allem der Düngemittelherstellung, als auch zum Export. "Wir können dadurch vor Ort auch eine höhere Wertschöpfung erreichen und auch lokale Arbeitsplätze schaffen", betonte Ikken. Derzeit entsteht eine 4-Megawatt-Pilotanlage für die Erzeugung von grünem Ammoniak, für 2023 ist eine 60-MW-Anlage in Küstennähe geplant.

"Wesentlich weiter als bei der Desertec-Initiative"

"Wir sind heute wesentlich weiter als vor 20 Jahren bei der Desertec-Initiative", sagte Ikken. So stehe mittlerweile der regionale Entwicklungsaspekt viel stärker im Fokus. Deutschland sei für Marokko beim Aufbau einer nachhaltigen und klimaneutralen PtX-Wirtschaft ein wichtiger Partner. So könnten laut einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI) zwei bis vier Prozent der weltweiten Nachfrage nach PtX im Jahr 2050 (bei einem Marktvolumen von bis zu 680 Milliarden Euro) von Marokko gedeckt werden. (hcn)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper