Strompreis-Hoch: Frankreich greift zu drastischen Maßnahmen
Mit drastischen Maßnahmen will die französische Regierung nach oben kletternden Stromkosten Einhalt gebieten. Demnach soll Strom in diesem Jahr höchstens vier Prozent teurer werden, wie Wirtschaftsminister Bruno Le Maire ankündigte.
Erstens will Frankreich dafür eine wichtige Steuer auf Strom erheblich senken. Zweitens soll der mehrheitlich in Staatshand befindliche Stromversorger EDF vorübergehend die Menge an Atomstrom erhöhen, die er an kleinere Wettbewerber verkauft. Und drittens soll EDF einen Teil seiner geplanten Tariferhöhung um zwölf Monate verschieben.
EDF erwartet Verlust von 8 Mrd. Euro
Damit will Le Maire auch die Stromrechnung der Kunden deckeln, die ihren Strom nicht von EDF beziehen.
Der Energieriese selbst bezifferte in einer Mitteilung seine Mindereinnahmen durch die mit der Regierung getroffene Regelung auf 7,7 bis 8,4 Mrd. Euro. In der Folge brachen EDF-Aktien massiv ein. Zwischendurch sank der Wert um 21 Prozent.
Atomkraft wichtigste Stromquelle
Auch aufgrund ungeplanter vorübergehender Abschaltung wichtiger Atomkraftwerke gingen die Strompreise im französischen Großhandel im Dezember teils steil nach oben. Am 16. Dezember kostete die Megawattstunde Strom an der Energiebörse EEX für den Liefermonat Januar mehr als 600 Euro. (Die ZfK berichtete.)
Die Atomkraft ist mit Abstand Frankreichs wichtigste Stromquelle. Allein im vergangenen Jahr steuerten Kernkraftwerke 71 Prozent zum französischen Strommix bei, wie Zahlen der Fraunhofer-Datenplattform Energy-Charts zeigen. In diesem Jahr sind es bislang 69 Prozent.
Präsidentenwahl vor der Tür
Über die Wintermonate hatte die französische Regierung bereits die Tarife für Gas und Strom gedeckelt, um die Kaufkraft zu schützen. Rund sechs Millionen Haushalte in Frankreich mit geringen Einkommen erhielten im Winter außerdem einen sogenannten Energiescheck über 100 Euro.
In knapp drei Monaten findet in Frankreich die Präsidentenwahl statt. Ein wichtiges Wahlkampfthema ist dabei die Kaufkraft der Franzosen, die wegen steigender Preise unter Druck steht. (dpa/aba)