Eine Rheinwasser-Großwärmpumpe mit einer thermischen Nutzleistung von je 15 MW, ein massiver Ausbau der Fernwärme, die Wärmegewinnung aus Abwasser und eine Umstellung der 100 Fahrzeuge umfassenden Busflotte von Diesel- auf Brennstoffzellenantrieb bis Ende der 2030er Jahre – das sind nur einige der Bausteine des „Klimaschutzprogramms“, das die Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV) jetzt vorgelegt hat.
Dieses umfasst 110 Einzelmaßnahmen, mit Hilfe derer der kommunale Konzern will bis zum Jahr 2035 in allen Geschäftsbereichen CO2-neutral werden will. Zur DVV gehören neben den Stadtwerken und der Verkehrsgesellschaft rund 30 weitere Gesellschaften und insgesamt über 4000 Mitarbeitenden.
Durch die Maßnahmen will der DVV-Konzern ab 2035 nachhaltig eine Million Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Ebenso beachtlich wie der CO2-Effekt sind die Investitionskosten: Die Umsetzung des Klimaschutzprogramms bedeutet zusätzliche Investitionen von rund drei Milliarden Euro.
„Eine klimagerechte Infrastruktur bildet die Basis, damit wir unsere ambitionierten Ziele erreichen können. Die DVV spielt dabei die Schlüsselrolle und agiert als Treiberin der Energiewende in Duisburg“, sagt Oberbürgermeister Sören Link, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der DVV ist.
Massiver Ausbau der Fernwärme
Schwerpunkte der Energiewende vor Ort liegen auf der Transformation des Wärmesektors sowie dem Ausbau des Stromnetzes. Rund zwei Drittel aller Haushalte in Duisburg werden heute noch mit Öl und Gas beheizt und müssen langfristig auf Basis erneuerbarer Energien mit Wärme versorgt werden, heißt es in einer Pressemitteilung.
Ein Vorteil sei dabei das vorhandene Fernwärmenetz, das bereits rund 70.000 Haushalte versorgt. Die bestehende Planung sieht vor, dass in den kommenden Jahren weitere 15.000 Haushalte hinzukommen. Den weiteren Ausbau wird die Stadt über die kommunale Wärmeplanung festlegen.
Großwärmepumpen, Abwärme, Wasserstoff
Gleichzeitig liegt der Fokus liegt darauf, wie auch die Fernwärme vollständig aus erneuerbaren Energien erzeugt und damit „grün“ wird. Die Stadtwerke nutzen dazu verschiedene Technologien wie Großwärmepumpen, Tiefengeothermie, innovative Kraft-Wärme-Kopplung und die Einbindung weiterer Abwärmequellen, sowie langfristig auch den Einsatz von Wasserstoff.
„Wo grüne Fernwärme keine Alternative ist, liegt der Schwerpunkt auf Wärmepumpen. Das bedeutet: Letztlich wird mit Strom geheizt. Der Strombedarf steigt gewaltig an, neben der Wärmewende auch aufgrund der Elektrifizierung der Industrie und durch die Elektromobilität mit ihrem Bedarf an Ladeparks und Wallboxen“, sagt der Vorsitzende der DVV-Geschäftsführung Marcus Wittig. Deshalb sei der Netzausbau die zweite wichtige Säule der Energiewende.
Über 1000 Kilometer neue Stromleitungen
Simulationen der Netze Duisburg zeigen, dass sich die heutige Starklast um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Die Strominfrastruktur müsse mit der Energiewende Schritt halten, dazu muss rund drei Viertel des aktuellen Hoch- und Mittelspannungsnetzes ausgebaut und verstärkt werden. Das bedeutet mehr als 1.000 Kilometer neue Stromleitungen, 900 zusätzliche Netzstationen und drei neue Umspannwerke.
Darlehensaufnahmen von bis zu 2,5 Mrd. Euro notwendig
Kalkuliert wird mit einem Gesamtfinanzierungsvolumen von 2,5 bis 3,5 Mrd. Euro, um die notwendigen Investitionen zu stemmen. Dafür benötigt die DVV nach ersten groben Berechnungen allein zusätzliches Eigenkapital in Höhe von 0,75 bis einer Mrd. Euro. Diese Mittel könnten beispielsweise durch eine Kapitalerhöhung oder die Thesaurierung von Gewinnen aufgebracht werden. Hauptgesellschafter der Stadtwerke Duisburg ist die Stadt Duisburg, die restlichen 20 Prozent hält die Rheinenergie.
Die restlichen 1,75 bis 2,5 Mrd. Euro an notwendigen Investitionen müssten nach ersten Schätzungen über die Aufnahme von Darlehen erbracht werden. Aufgrund der enormen Summe ist es aber gut möglich, dass auch noch andere Finanzierungsinstrumente notwendig sind.
“Bei Erhaltung der Bonität würde sich das wirtschaftliche Ergebnis durch die Kreditzinsen verschlechtern. Ob ein Fremdmittelanteil von mehr als 70 Prozent umsetzbar wäre, ist aufgrund der Gesamtsummen sehr zweifelhaft und würde zu Bonitätsverschlechterungen und weiteren zinsseitigen Ergebnisbelastungen führen“, heißt es etwa in dem über 40 Seiten umfassenden Klimaschutzprogramm.(hoe)

