"Wir nehmen die Lernkurve mit, die andere jetzt machen", sagt Kai-Uwe Dettmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Velbert über die Kommunale Wärmeplanung. Er empfiehlt auch seinen Kollegen erst einmal abzuwarten – wenn es geht. Velbert als kleine Stadt sei im Vorteil, da es die Planung vergleichsweise spät abschließen kann.
Auf dem "Energy For Future Leaders"-Kongress der Energieforen Leipzig, auf dem Dettmann sprach, diskutierten die Teilnehmenden, wie die kommunalen Unternehmen die Energiewende trotz unklarer Rahmenbedingungen erfolgreich umsetzen können.
In einigen Fragen noch abzuwarten, das ist die Empfehlung aus Velbert. "Es gibt auch nicht unendlich viele Berater, die werden sich jetzt erst einmal auf die großen Häuser und Kommunen stürzen", gibt Dettmann zu bedenken. Die Stadtwerke Velbert ruhten sich darauf aber nicht aus: "Wir treffen heute schon Entscheidungen, bei denen klar ist, dass sie kommen müssen. "No regret moves" sind dabei Investitionen die nötig sind, egal welches Szenario eintritt."
Würzburg macht Gas
Dörte Schulte-Derne, Vorständin der Stadtwerke Würzburg, ist lieber früher dran: "Wir sind nicht nur mit der Bestandsaufnahme, sondern auch mit der Potenzialanalyse so gut wie fertig." Es sei spannend, was man nun deutlich besser einschätzen könne: "Der Modernisierungsbedarf im Bestand ist etwa dreißig Prozent geringer, als wir es zunächst eingeschätzt hatten."
Im März wollen die Stadtwerke Würzburg den Bürgern "haustürscharf" sagen können, was die Wärmewende für sie konkret bedeutet. Das schaffe auch Planungssicherheit auf deren Seite.
"Es lohnt sich, früh zu beginnen", sagt Schulte-Derne. "Selbst wenn man den Umweltschutz nicht ernst nimmt, kann man volkswirtschaftlich argumentieren: Wir überweisen aktuell Millionen in andere Kontinente, um Öl und Gas zu kaufen, das Geld könnten wir auch in die regionale Wertschöpfung stecken."
Leipzig zeigt sich vorsichtig
"Auch bei uns sind die Eckpunkte klar, aber ich warne davor, die Wärmeplanung insgesamt für die Stadt zu früh zu beschließen", sagt hingegen Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Vizepräsident des Deutschen Städtetags.
"Der Lead muss bei der Stadt liegen" – Burkhard Jung, OB Leipzig
Bei der Wärmeplanung meint der SPD-Politiker, müsse der Lead bei der Stadt liegen – in enger Abstimmung mit dem Stadtwerk. Dies sei angesichts des großen Investitionsbedarfs erforderlich: "Aus der Finanzierungsverantwortung heraus entsteht auch eine stärkere Steuerungsaufgabe für die Stadt."
"Kleine Kommunen können keine Führung leisten" – Martin Ridder, eins energie in Sachsen
"Bei großen Städten wie Chemnitz würde ich dem zustimmen", sagt Martin Ridder, Geschäftsführer von "eins energie in Sachsen". Allerdings gehörten zu seinem Zuständigkeitsbereich in Südsachen 170 Kommunen: "Kleine Kommunen mit wenigen hundert Einwohnern können hier keine Führung leisten". Dort müsse der Regionalversorger Muster vorgeben und Dienstleister an die Seite stellen.
Gesamtbild für schlaue Planung
"Wir haben auch ein eigenes großes Interesse daran, dass wir ein detailliertes Gesamtbild der Region zubekommen." Wenn jede Kommune auf eine andere Lösung baue, werfe das etwa Fragen bezüglich des Gasnetzes auf.
"Wenn drei zusammenhängende Kommunen, durch die eine bestehende Gasleitung fließt, sich gegen Wasserstoff entscheiden, hat dies Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit für das Netz." Eine zusammenhängende Wärmeplanung sei also sinnvoll. (pfa)



