Die Stadtwerke Stuttgart sollen bis 2035 pro Jahr rund 1,7 Mrd. kWh Ökostrom aus eigenen Anlagen produzieren.

Die Stadtwerke Stuttgart sollen bis 2035 pro Jahr rund 1,7 Mrd. kWh Ökostrom aus eigenen Anlagen produzieren.

Bild: © Soonthorn/AdobeStock.com

Die Kosten der Investitionen zur Erreichung der Klimaneutralität bis 20245 in Deutschland werden von diversen Wirtschaftsforschungsinstituten auf mehrere Billionen Euro geschätzt. Berücksichtigt man dabei die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten, also Investitions- und Energiekosten, könnte dies laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC die Energiewende und die Investitionsbereitschaft beschleunigen.

PwC hat im Rahmen einer Klimakostenanalyse zwei Szenarien miteinander verglichen: ein „Weiter-wie-bisher-Szenario“ und ein „Beschleunigter-Klimaschutz-Szenario“. Die Berechnungen zeigen: Die aggregierten Gesamtkosten für eine emissionsneutrale Energieversorgung im Jahr 2045 liegen im beschleunigten Szenario mit 13,2 Billionen Euro sogar leicht unter denen im "Weiter-wie-bisher-Szenario" mit geschätzten 13,3 Billionen Euro. Ein beschleunigter Klimaschutz lohne deshalb nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch, folgern die Studienautoren.

Beim beschleunigten Ausbau fallen die Energiekosten bis 2050 deutlich geringer aus

Im "Weiter-wie-bisher-Szenario" behält Deutschland das bisherige Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien und der Dekarbonisierung lediglich bei. Dies hätte zur Folge, dass die angestrebte Treibhausgas (THG)-Neutralität bis 2045 nicht erreicht wird.  Im Alternativ-Szenario wird mehr und schneller in die Energiewende als bisher investiert – mit dem Ergebnis, dass Deutschland bis 2045 THG-neutral wird.

Beide Berechnungsszenarien unterscheiden sich auch bezüglich des Kostenmixes. Beim schnelleren Ausbau entstehen Investitionskosten von rund 5,3 Billionen Euro, während es im "Weiter-wie-bisher-Szenario" nur circa 3,9 Billionen Euro sind. Jedoch sind die aggregierten Energiekosten bis 2050 im beschleunigten Umsetzungs-Szenario mit 7,9 Billionen Euro sehr viel geringer als die 9,4 Billionen Euro im "Weiter-wie-bisher-Szenario".

Kostenreduktion von zehn Mrd. Euro ab 2045

Die volkswirtschaftlichen Vorteile eines beschleunigten Vorantreibens der Energiewende nehmen laut der Studie von Jahr zu Jahr zu. Bereits im Jahr 2045 lassen sich die jährlichen Kosten in diesem Szenario um zehn Milliarden Euro reduzieren – auf 450 Milliarden Euro im Vergleich zu 460 Milliarden Euro bei einer gleichbleibenden Fortschreibung der bisherigen Anstrengungen.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet, steigt der jährliche Kostenvorteil im beschleunigten Szenario, weil keine weiteren klimaschutzinduzierten Investitionen nach dem Jahr 2045 mehr notwendig sind. Im Gegensatz dazu führt das aktuelle Ausbautempo durch die verspätete THG-Neutralität zu kontinuierlichen Investitionskosten in den Folgejahren.

Staatliche Bürgschaften als wichtiger Investitionsanreiz

Die Bereitschaft für langfristige Investitionen in den Klimaschutz hängt dabei aber maßgeblich von langfristig verlässlichen Rahmenbedingungen ab. Um diese Investitionsanreize effektiv und bedarfsgerecht zu setzen, gibt es laut der Studie verschiedene Instrumente. Besonders wichtig seien zielgerichtete Förderungen in Technologien und Infrastruktur – vor allem in solche, die für die THG-neutrale Transformation essenziell sind. Dazu zählten erneuerbare Energien, grüner Wasserstoff und grüne Fernwärme.

Gezielte Förderungen würden ihre Entwicklung, Implementierung, Akzeptanz und Verbreitung beschleunigen. Risikomindernde, staatliche Bürgschaften könnten ebenfalls ein lohnender Investitionsanreiz sein. Zudem könnten zinsgünstige und/oder zinsneutrale Kredite Unternehmen und Privatpersonen –unter anderem auch  Wohnungsvermieter:innen – motivieren, kurzfristig in beispielsweise Gebäudesanierungen und effizientere Energieversorgungsanlagen zu investieren. (hoe)

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