Bild: © Enet

Anfang des Monats haben die Übertragungsnetzbetreiber ihre Netzentgelte für das kommende Jahr bekanntgegeben. Einzig Tennet senkt die Entgelte deutlich, bei den anderen ÜNB stehen teils deutliche Erhöhungen an. In den nachgelagerten Netzebenen wird das laut einer Analyse der vorläufig veröffentlichten Entgelte durch Enet aber nur zu moderaten Teuerungen führen.

Im Schnitt würden die Belastungen für die Mus­ter­kun­den über die Netz­ge­bie­te nach der­zei­ti­gem Stand nicht stär­ker als um 1,1 Pro­zent steigen, heißt es in einer Pressemitteilung. Da vie­le neue Preis­blät­ter im SLP-Seg­ment vor allem höhe­re Grund­prei­se aus­wei­sen würden, seien gerin­ge­re Ver­bräu­che stär­ker von stei­gen­den Kos­ten betrof­fen.

Halbierung der Mehrkosten bei Familienhaushalt

Ein Sin­gle-Haus­halt mit einem Jah­res­ver­brauch von 1.500 kWh werde beispielsweise um 1,1 Pro­zent höher belas­tet und müsse im Schnitt Netz­ent­gel­te von 166,67 Euro ent­rich­ten. Für einen Fami­li­en­haus­halt (4.000 kWh/​Jahr) hal­biere sich die pro­zen­tua­le Mehr­be­las­tung bereits (+0,5 % auf 321,17 Euro), wäh­rend ein Gewer­be­kun­de (SLP, 40.000 kWh/​Jahr) nahe­zu unver­än­der­te Gebüh­ren zahle (-0,03 % auf 2.545,97 Euro). Die Durch­schnitts­wer­te seien dabei nach der jewei­li­gen Netz­grö­ße, also den ange­schlos­se­nen Postor­ten gewich­tet.

Leis­tungs­ge­mes­se­ne Kun­den in Gewer­be und Indus­trie müs­sten dage­gen bei höhe­ren Abnah­men leicht stei­gen­de Ent­gel­te ein­kal­ku­lie­ren, abhän­gig von Span­nungs­ebe­ne, instal­lier­ter Leis­tung und Benutzungsstunden.

Um die wirklichen Auswirkungen der Netzentgeltanpassungen der ÜNB abschätzen zu können, sei der Blick in die tat­säch­lich betrof­fe­ne Flä­che essenziell, betont Enet. In großen Netz­ge­bie­ten etwa würden die Ent­gel­te 2021 sogar deut­lich gerin­ger aus­fal­len. Grund dafür seien haupt­säch­lich die stark sin­ken­den vor­ge­la­ger­ten Gebüh­ren in der Ten­net-Regel­zo­ne.

Deutlicher Rückgang im EAM-Netz und bei Avacon

Von diesen würden im kom­men­den Jahr bei­spiels­wei­se Anschluss­kun­den der Schles­wig-Hol­stein Netz (-1,5 Prozent auf 11,46 ct/​kWh), EAM Netz (- sieben Prozent auf 7,42 ct/​kWh) und Bay­ern­werk Netz (-8,4  Prozent auf 7,44 ct/​kWh) pro­fi­tie­ren wer­den. Aber auch im Ver­teil­netz der Ava­con (Regel­zo­ne 50Hertz) sin­ken die Ent­gel­te laut Enet deut­lich  und zwar um 3,7 Prozent auf 8,28 ct/​kWh.

Bei einem Familienhaushalt mit einem Jah­res­ver­brauch von 3.500 kWh würden die die Netz­ent­gel­te im gewich­te­ten Durch­schnitt somit nur um 0,7 Pro­zent auf dann 8,30 ct/​kWh steigen. Das sind in Summe Mehrkosten von 2,10 Euro. Berücksichtige man zusätzlich die Absenkung der Off­shore-Netz­um­la­ge und die Reduzierung der EEG-Umla­ge von 6,756 auf 6,50 ct/​kWh werde der Musterhaushalt ins­ge­samt um 9,70 Euro im Jahr ent­las­tet.

Stärkster Rückgang beim EVU Hemhofen

Laut der Enet-Analyse sinken die Gebüh­ren im Netz­ge­biet der baye­ri­schen EVU Gemein­de Hem­ho­fen Strom­ver­sor­gung pro­zen­tu­al am stärks­ten (-31,4 Prozent auf nur noch 6,01 ct/​kWh). Ins­ge­samt sin­ken die Gebüh­ren in 4.288 Postor­ten im Schnitt um 4,5 Prozent, in 10 Postor­ten blei­ben sie vor­erst unverändert.

Auf der ande­ren Sei­te erhö­hten auch vie­le Ver­teil­netz­be­trei­ber 2021 ihre Prei­se. In 7.805 Postor­ten stie­gen die Ent­gel­te um durch­schnitt­lich 3,9 Prozent. Beson­ders stark betrof­fen sind Strom­kun­den im Netz der Stadt­wer­ke Lam­brecht (Rhein­land-Pfalz). Für den Mus­ter­haus­halt stei­gen die Kos­ten um 33,6 Pro­zent auf 12,15 ct/​kWh, was deut­lich über dem Schnitt der vor­läu­fi­gen Ent­gel­te liege. Die güns­tigs­ten Ent­gel­te erhe­ben 2021 die Ener­gie­netze Bay­ern im Netz­be­reich Ger­me­ring mit 4,91 ct/​kWh (-8,6 Prozent).

"Bei starken Änderungen Kalkulation prüfen"

Aus den aktuellen Zahlen ergebe sich kein grundsätzlicher dringender Handlungsbedarf für Stromvertriebe, resümiert Enet. „In Ver­teil­net­zen mit star­ken Ände­run­gen soll­te die eige­ne Kal­ku­la­ti­on natür­lich geprüft wer­den, im lan­des­wei­ten Durch­schnitt fal­len die Anpas­sun­gen aller­dings mode­rat aus." Hier könne es durch­aus rat­sam sein, erst ein­mal die Ver­öf­fent­li­chung der end­gül­ti­gen Netz­ent­gel­te zum Jah­res­wech­sel abzu­war­ten und das eige­ne Mar­gen­po­ten­zi­al noch ein­mal zu prüfen. (hoe)

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