Clemens Graf von Wedel ist Geschäftsführer des Hamburger Strom-und Gasabeschaffungsportals Enportal.

Clemens Graf von Wedel ist Geschäftsführer des Hamburger Strom-und Gasabeschaffungsportals Enportal.

Bild: © Enportal

Seit 2008 betreibt das Hamburger Unternehmen Enportal eine digitale und cloudbasierte Plattform zur Strom- und Gasbeschaffung für Industrie- und Gewerbekunden, das nach eigenen Angaben derzeit etwa 650 Energieversorger nutzen. Im Januar kam ein digitaler PPA-Marktplatz dazu. Im Gespräch mit der ZfK erläutert Geschäftsführer Clemens Graf von Wedel, wie das Portal funktioniert, wie viele Marktteilnehmer schon angemeldet sind und welche neuen Projekte sonst noch in der Pipeline sind.

Herr von Wedel, der PPA-Markt in Deutschland steht noch am Anfang. Kommt da eine digitale Plattform nicht etwas zu früh?
Es stimmt, dass wir sehr früh dran sind. Aber einer muss ja den ersten Schritt wagen. Wir sehen jedenfalls großes Potenzial. In den nächsten Jahren fallen etliche Erneuerbaren-Anlagen nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung. Sollen sie weiterbetrieben werden, müssen sich die Betreiber nach potenziellen Abnehmern umsehen. Und davon haben wir auf unserer Plattform viele, darunter allein um die 700 Energieversorger. Sie werden bei neuen Ausschreibungen direkt informiert.
 

Unsere Partner können per Chat miteinander in Kontakt treten und sich so austauschen.

Was passiert dann?
Interessierte Abnehmer können auf unserer Plattform ihr Angebot abgeben. Vom Arbeitspreis über den Lieferzeitraum bis hin zur Liefermenge können sie dort alles digital festlegen. Einigen sich die Partner auf eine Strom-Direktlieferung, können sie auch den Vertrag online abschließen.

Das klingt einfach. Allerdings gehen PPAs in der Regel monatelange, komplizierte Verhandlungen voraus. Kann ihre Plattform das wirklich bereits abbilden?
Für den Vertragsschluss können die Partner mit einem digitalen Vertragsmuster arbeiten. Dort ist bereits eine Vielzahl der Fragen berücksichtigt, die im Zuge eines PPA geregelt werden sollte. Generell muss man aber sagen, dass es bei PPAs noch nicht so viel Erfahrungswerte gibt. Deshalb haben sich auch noch nicht viele Standards herausgebildet. Das dürfte sich aber ändern, wenn die Zahl der PPAs künftig steigen wird. Wir entwickeln unsere Plattform jedenfalls regelmäßig weiter, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Zudem können unsere Partner per Chat miteinander in Kontakt treten und sich so austauschen.

Wie läuft es bislang auf der Plattform?
Inzwischen haben wir 800 Marktteilnehmer. Die erste Ausschreibung wurde auch schon erfolgreich abgeschlossen. Der Zementhersteller Holcim hat sich vom kommenden Jahr an 55 Mio. kWh Windstrom pro Jahr für zwei seiner Werke gesichert. Außerdem läuft derzeit eine Ausschreibung für einen Windpark. Zugegeben: Noch ist auf unserer PPA-Plattform sicherlich nicht die Hölle los. Dafür steckt der PPA-Markt noch insgesamt zu sehr am Anfang. Aber mögliche Interessenten gibt es viele, zum Beispiel die Deutsche Bahn oder Volkswagen. Die nächsten Monate werden spannend werden.

Vorerst wollen wir unsere Preise flach halten. Uns ist es wichtiger, dass die Plattform zum Laufen kommt.

Wie wollen Sie mit der Plattform eigentlich Geld verdienen?
Unser Vergütungsmodell ist recht einfach. Will jemand unseren Marktplatz nutzen, kann er sich gratis registrieren. Will er dann eine Ausschreibung starten, kostet das Geld. Die fällige Vergütung ist abhängig von der angebotenen Liefermenge. Vorerst aber wollen wir unsere Preise flach halten. Wir befinden uns in der glücklichen Lage, dass wir nicht sofort Gewinne machen müssen. Dafür haben wir unser klassisches Strom- und Gasgeschäft. Uns ist wichtiger, dass die Plattform zum Laufen kommt.

Das heißt?
Im Laufe des nächsten Jahres wollen wir die ausgeschriebene Menge deutlich steigern. Ein oder zwei Milliarden kWh wären schon gut. Dann würde die Plattform auch für uns lukrativ werden.

Wie wichtig werden digitale PPA-Plattformen künftig noch werden?
Ich gehe davon aus, dass schon in naher Zukunft die meisten PPA-Geschäfte über digitale Marktplätze laufen werden. Offline ist der Aufwand eines PPA auf Dauer einfach zu groß.

Wir planen eine Erweiterung der Plattform für die privatrechtliche CO2-Minderung.

Kommt es so, wird auch die Konkurrenz nicht mehr lange warten.
Da sehen wir uns gut gerüstet und es gibt genug Platz für mehrere PPA-Plattformen. Wer aber als Plattformbetreiber ganz neu einsteigen will, der wird es schwer haben. Denn den vertrieblichen Aufwand für die Gewinnung von Grünstromerzeugern und Abnehmern sollte man nicht unterschätzen. Da haben wir deutlich bessere Voraussetzungen.

Haben Sie noch andere Projekte in der Pipeline?
Ja. Neben vielen kleineren Verbesserungen, die den Kundennutzen erhöhen, erweitern wir die Plattform für die privatrechtliche CO2-Minderung. Das heißt wir weisen unseren Kunden ihre Emissionen aus und geben Zertifikateanbietern die Möglichkeit, CO2-Zertifikate über unsere Plattform anzubieten. Wir reagieren damit auf die wachsende Nachfrage unserer Kunden, die ihren CO2-Ausstoß kompensieren wollen, sowie auf Anfragen von Zertifizierern, die nach neuen Vertriebswegen suchen. Da öffnet sich ein neuer Markt, den wir gerne mit voran bringen wollen.

Für wann planen Sie den Start dieser Erweiterung ?
Wenn alles gut läuft, können wir im 1. Halbjahr nächsten Jahres starten.“

(Das Interview führte Andreas Baumer)

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