160 Stahlrohre hat EWE verbaut und einzementiert.

160 Stahlrohre hat EWE verbaut und einzementiert.

Bild: © Andreas Prinz

Die Analyse von Aurora Energy Research lege nahe, dass eine weitergehende detaillierte Analyse notwendig ist, um die Auswahl robuster Kernnetzteile zu identifizieren und die Überbauung des Netzes und der Importkapazitäten zielgerichtet vorzunehmen, resümiert Ines.

Insbesondere empfiehlt Ines, unterschiedliche Nachfrage- und Angebots-Szenarien bei der Planung des Wasserstoffnetzes und der daraus abzuleitenden Importkapazitäten in Betracht zu ziehen.

"Überbauung vermeiden"

Mit Blick auf die Ergebnisse der Aurora-Kurzanalyse sei allerdings zu beachten, dass die Aurora "Central"- und "Net Zero"-Szenarien nur beispielhaft für viele realistische Szenarien stehen würden. Um die Risiken einer Überbauung zu minimieren, empfiehlt es sich laut Ines, im weiteren Planungsprozess ein "No-Regret"-Szenario zu formulieren, für das möglichst viele unterschiedliche Szenarien bei der Planung des H2-Netzes und der daraus abzuleitenden Importkapazitäten zugrunde liegen sollen

"Angesichts der enormen Wasserstoffverbrauchsmengen scheint das Wasserstoff-Kernnetz vielmehr ein Wasserstoff-Zielnetz zu sein und die Wahrheit ist, dass wir das Ziel noch gar nicht genau sehen können", sagte Ines-Geschäftsführer, Sebastian Heinermann.

Den Antragsentwurf für den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur haben Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) der Bundesnetzagentur am 15. November 2023 vorgelegt. Er ist Teil der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS). An dieser Strategie hatte Ines bereits 2020 deutliche Kritik geübt. Die Initiative zeigte sich erstaunt, dass die Bundesregierung Wasserstoff zwar als zentrale Speicherlösung für erneuerbare Energien sehe, dabei aber offenbar "vergesse", dass Wasserstoff selbst gar kein Energiespeicher sei. Wer Erneuerbare in Gasform speichern wolle, brauche Gasspeicher, betont Ines – und fordert dementsprechend, dass der Bund dem in seiner Strategie zentrale Bedeutung beimessen sollte.

Der Entwurf schlägt den Bau eines Wasserstoffnetzes mit einer Länge von 9721 Kilometern vor. Es soll über 13 Grenzübergangpunkte (GÜP) verfügen, die Wasserstoffimporte und -exporte bis zu einer Kapazität von 59 GWh/h ermöglichen sollen. Es ist für eine Wasserstoff-Verbrauchsmenge im Umfang von 279 Mrd. kWh ausgelegt. Die Inbetriebnahme dieses Netzes ist für das Jahr 2032 vorgesehen.

Deutlich niedrigere H2-Verbrauchsmengen erwartet

Für die mittlere Perspektive bis 2030 weisen die Aurora-Szenarien "Central" und "Net Zero" mit 73 beziehungsweise 123 Mrd. kWh deutlich niedrigere Wasserstoffverbrauchsmengen aus, als für die Wasserstoffnetzplanung angenommen.

Auch die Nachfrageschätzungen des Bundeswirtschaftsministeriums in der Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) für 2030 fallen ebenfalls niedriger aus. Die NWS geht nämlich von einer Nachfrage zwischen 95 und 130 Mrd. kWh im Jahr 2030 aus, argumentiert Ines.

Zur vollständigen Deckung des Wasserstoffverbrauchs aus dem "Central"-Szenario sind gemäß Aurora-Kurzanalyse mittelfristig Importkapazitäten an Grenzübergangspunkten von circa 10 GWh/h erforderlich, welche jedoch um notwendige Redundanzen wie beispielsweise die N-1-Sicherheit ergänzt werden müssen. Somit beinhalten die vorgeschlagenen Importkapazitäten von 59 GWh/h eine signifikante Überbauung gegenüber den durchschnittlichen und notwendigen Kapazitäten in der mittleren Frist.

Aus Sicht von Ines streben die FNB in ihrem Entwurf bewusst eine deutliche Überbauung der tatsächlichen Netzbedarfe an, "um die notwendigen Netzinfrastrukturen bereits für spätere Wasserstoffbedarfe frühzeitig vorzubereiten".

In der langfristigen Perspektive bis 2050 weisen die Aurora-Szenarien "Central" und "Net Zero" mit 303 beziehungsweise 562 Mrd. kWh zwar deutlich höhere Wasserstoffverbrauchsmengen aus, allerdings zeige die weitergehende Analyse, dass im "Central"-Szenario trotzdem nur 28 GWh/h pipelinegebundene Importkapazitäten benötigt würden. Selbst im "Net Zero"-Szenario liegen die benötigten Grenzübergangskapazitäten bei lediglich 52 GWh/h.

Netzplanung folgt einer "sehr unsicheren Planungsperpektive"

Die aktuelle Wasserstoffnetzplanung folge einer "sehr unsicheren Planungsperspektive", resümiert Ines in der Kurzanalyse. Der Markthochlauf für grünen Wasserstoff befinde sich noch in seinen Anfängen. Eine mittelfristige Überdimensionierung des Netzes könnte zwar vermeiden, dass infrastrukturelle Engpässe den Markthochlauf behindern – angesichts der erheblichen Unsicherheiten in der Planung bestehe damit aber auch das große Risiko nicht nur mittelfristig, sondern auch in der langen Frist, Überkapazitäten zu schaffen. (am)

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