In Großbritannien sorgen laut Rolls Royce gut 500 Gasmotoren für die Systemstabilität.

In Großbritannien sorgen laut Rolls Royce gut 500 Gasmotoren für die Systemstabilität.

© Rolls-Royce Power Systems

Die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung sieht bis 2030 den Zubau von 10.000 MW an grundlastfähiger Leistung, um den Wegfall der Kohle- und Atomkraftwerke zu kompensieren und für die nötige Stabilität im Netz zu sorgen.

Derzeit liegt der Antrag zur Genehmigung in Brüssel. Geht es schnell, könnten im Sommer schon die ersten Ausschreibungen stattfinden. Mehrere Unternehmen, wie beispielsweise Steag und RWE haben bereits ihr Interesse an den Ausschreibungen für wasserstofffähige Gaskraftwerke bekundet.

Gasturbine vs. Gasmotor

Neben den klassischen großen Gasturbinen müssen auch modular zuschaltbare Gasmotoren Teil der Lösung sein, fordert Daniel Chatterjee im Gespräch mit Journalisten. Er leitet die Abteilung Technologie Strategie und Regulatorische Angelegenheiten bei Rolls-Royce Power Systems. Entsprechend technologieoffen sollen auch die Ausschreibungen sein. Entsprechend wären auch Auktionen für kleinere Kapazitätsmengen sinnvoll.

Mit dem zunehmenden Erneuerbarenausbau steigen die Anforderungen an besonders flexible Erzeugungsanlagen, sagte Chatterjee, die innerhalb kurzer Zeit viele Starts hinlegen können. "Mit mehr Erneuerbaren im Netz geht die Zeit von Großkraftwerken im anhaltenden Volllastbetrieb immer weiter zurück." Deshalb fordert er die Bundesregierung auf, die Vorteile von kleinen Gasmotoren bei der Gestaltung der Ausschreibungen zu berücksichtigen. Generell sehe er für Gasmotoren gute Chancen, einen substanziellen Anteil von den künftig ausgeschriebenen 10.000 MW zu erhalten. Wie er konkret ausfallen würde, liege an den Anforderungen an das System, insbesondere in den regionalen Anforderungen, erläutert Skipa. "Ein Nischendasein werden die Gasmotoren jedenfalls nicht haben."

Flexibilität oder hoher Wirkungsgrad?

Der eine Vorteil von Gasmotoren liegt in ihrer Flexibilität, erläutert Michael Skipa, Vice President Business Development bei Rolls-Royce Power Systems. Die Gasmotoren mit einer Leistung von 2,6 MW würden innerhalb von zwei Minuten auf ihre volle Leistung kommen und können beliebig oft starten. Einzelne Motoren seien zuschaltbar und können zusammen deutlich über 100 MW liefern.

Obwohl eine Gasturbine bei ihrer Vollauslastung einen höheren Wirkungsgrad hat, sei der Betrieb von Gasmotoren in einem realistischen "Stop-and-Go"-Betrieb deutlich wirtschaftlicher. Ökonomisch sinnvoll seien die Gasmotoren beim perspektivischen Umstieg auf grünen Wasserstoff.

"Auch deshalb sind zuschaltbare Gasmotoren eine ernstzunehmende Lösung für einige Konzerne, die sich an den Kraftwerksauschreibungen beteiligen wollen", sagte Skipa auf ZfK-Anfrage. Diese Unternehmen legen Technologiekonzepte mit Leistungsbändern zwischen 60 und 100 MW nebeneinander. Rolls Royce bekomme derzeit vereinzelte Anfragen, "insbesondere von großen Energiehäusern", die über Vermarktungs-, Berechnungs- und Simulationskompetenz verfügen.

Als Beispiel führte er den Erzeugungsmarkt in Großbritannien an, wo rund 500 Gasmotoren einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Auch in Deutschland sind bereits einige Gasmotorenkraftwerke in Betrieb. Das größte von ihnen steht in Kiel.

Viele Schritte bis zur Inbetriebnahme

Die Genehmigung in Brüssel stehe noch aus, danach folgen die Ausarbeitung des Ausschreibungsmechanismus, die Auktionen, Genehmigungen der Anlagen und dann noch der Bau und die Inbetriebnahme. Das sei ein sehr ambitionierter Plan, sagte Matthias Zelinger, Leiter Competence-Center Klima & Energie beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Technologien und Marktdesign (VDMA). Nicht nur die Anlagenbauer und Verbände, sondern auch die Energiekonzerne warnen vor einem zu straffen Zeitplan der Kraftwerksstrategie bis 2030, zuletzt RWE-CEO Markus Krebber.

Im Vergleich zu den herkömmlichen Gaskraftwerken haben die Gasmotoren allerdings auch den Zeitfaktor auf ihrer Seite. "Wir sind in der Lage, über 100 dieser Gasmotoren pro Jahr herzustellen", so Skipa. Anders als Gasturbinen seien Gasmotoren mittlerweile Massenware.

Einen weiteren Vorteil dieser flexiblen, dezentralen Anlagen sei aus seiner Sicht ihre platzsparende Bauweise. "Sie können sie dort aufstellen, wo sie gebraucht werden – das vermeidet Engpässe im Netz und gewährt den Netzbetreibern mehr Zeit". Für die großen Kraftwerksstandorte kommen aufgrund ihrer bereits ausreichend ausgebauten Infrastruktur vermutlich große Gaskraftwerke in Frage, räumte Skipa ein. (am)

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