Über Wochen standen die Stadtwerke Pforzheim wegen einer verfehlten Informationspolitik rund um den jüngsten Gewinneinbruch in der Kritik. Das gipfelte in der vergangenen Woche in der Trennung vom Führungsduo Roger Heidt und Thomas Engelhard und der Installierung von Herbert Marquard als neuem Geschäftsführer. Das ist auch an den SWP-Mitarbeitern nicht spurlos vorübergegangen. In einem am vergangenen Samstag (26. Januar) in der "Pforzheimer Zeitung" publizierten, offenen Brief an Bürger, Gemeindevertreter, Medienschaffende und Kunden wirbt die SWP-Belegschaft deshalb um Vertrauen und bemüht sich um Schadensbegrenzung.
"SWP sind in die Diskussion geraten"
"Wir sind die SWP", lautet der Titel der Schreibens, das der Betriebsrat der Stadtwerke verfasst hat. "Die Stadtwerke Pforzheim sind in die Diskussion geraten, seit bekannt wurde, dass in diesem Jahr keine Gewinnausschüttung an die Stadt geleistet werden kann. Wie es dazu kommen konnte, ist eine Frage, auf die es keine schnellen und einfachen Antworten gibt", heißt es in dem Brief, der der ZfK vorliegt. Doch wie immer, wenn einfache Antworten fehlten, seien Spekulationen und Gerüchte schnell bei der Hand.
"Unsere Kunden sind verunsichert"
"Wir als Belegschaft erleben die Folgen gerade hautnah. Der Ruf unseres Unternehmens leidet massiv und unsere Kunden sind verunsichert. Die Situation belastet uns sehr und sie gefährdet ein traditionsreiches, über viele Jahre bewährtes und regional verbundenes Unternehmen", so die Verfasser. Gleichzeitig sollten in der derzeitigen Debatte nicht die Mehrwerte vergessen werden, die die Stadtwerke weit über die Gewinnausschüttungen hinaus für die Menschen in Pforzheim erbringen – von der Rundumversorgung mit Energie und Wasser bis hin zur Förderung gemeinnütziger Projekte.
Mit Blick auf die Aufarbeitung der jüngsten Millionenverluste im Stromvertrieb appelliert die SWP-Belegschaft, die komplexe Situation in Ruhe zu analysieren. Man brauche jetzt eine verantwortungsvolle, faktengestützte und fair geführte öffentliche Diskussion – "ohne ungesicherte Interpretationen, populistische Behauptungen oder gar voreilige Schuldzuweisungen". Der Aufsichtsrat hat bereits Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young mit einer Untersuchung der jüngsten Geschäftsentwicklung betraut.
Abstimmung in der Belegschaft
Der Brief der Belegschaft war bereits vor der Abberufung des bisherigen SWP-Führungsduos verfasst worden. Laut Betriebsratsvorsitzendem Henry Wiedemann wurde das Schreiben im Interesse der Belegschaft veröffentlicht, auch weil man ungeachtet der jüngsten Negativschlagzeilen grundsätzlich stolz auf das Unternehmen und seine Leistungsfähigkeit sei. Bei einer internen Abstimmung habe die Mehrheit der Mitarbeiter für die Publikation gestimmt. Es habe aber auch den einen oder anderen gegeben, der sich nicht damit habe identifizieren können. (hoe)
