Mit ihren Lieferstopps lösten die Energieanbieter Stromio und Gas.de im Dezember 2021 in der deutschen Energielandschaft ein Beben aus. Immerhin fielen dadurch bundesweit geschätzt mehrere hunderttausend Kunden in das Portfolio der Grundversorger – und das in Zeiten extrem steigender Großhandelspreise.
In die Insolvenz gingen Stromio und Gas.de danach nicht. Manche Marktteilnehmer vermuteten sogar, dass die Schwesterunternehmen bereits bezogene Mengen gewinnbringend im Großhandel verkauft hätten statt ihre Kunden zu versorgen. Auch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf schaltete sich ein, sah jedoch nach anfänglicher Prüfung von strafrechtlichen Ermittlungen ab. Die Begründung: Der geschilderte Sachverhalt falle unabhängig von der Frage der Beweisbarkeit unter keine strafrechtliche Vorschrift. (Die ZfK berichtete.)
Aus dem Archiv: "Stromio soll in Facebook-Gruppen bereits eine Rückkehr angekündigt haben"
Offenlegung verpflichtend
Wie gut Unternehmen gewirtschaftet haben, lässt sich unter anderem in den Geschäftsberichten nachlesen, die Energieversorger verpflichtend erstellen und offenlegen müssen. Abrufbar sind diese dann im Bundesanzeiger, der vom Bundesjustizministerium herausgegeben wird.
Eingereicht werden müssen die Berichte spätestens ein Jahr nach Ende des behandelten Geschäftsjahrs. Heißt: Geschäftsberichte für das Jahr 2021 müssen inzwischen im Bundesanzeiger einsehbar sein.
Verweis auf Mutterkonzern
Wer entsprechende Zahlen für die Unternehmen Stromio und Gas.de finden will, sucht jedoch bislang vergeblich. Die Firmen hätten auf Offenlegung und Prüfung des Jahresabschlusses 2021 verzichtet, heißt es jeweils. Stattdessen würden die Jahresabschlüsse im Konzernabschluss des Mutterkonzerns konsolidiert.
Der Stromio- und Gas.de-Mutterkonzern ist die Universal Utility International GmbH & Co. KG mit Sitz in Monheim am Rhein (Nordrhein-Westfalen). Doch auch für dieses Unternehmen liegen bislang keine Geschäftszahlen für das Jahr 2021 vor.
Von Monheim nach Kaarst
Denn die Universal Utility International verzichtet ebenso auf die Offenlegung ihres Jahresabschlusses, wie aus einem Bundesanzeigereintrag vom 10. Februar 2023 hervorgeht. Schließlich werde das Ergebnis in den Konzernabschluss der Universal Utility International GmbH & Co. KG mit Sitz in Kaarst (ebenfalls Nordrhein-Westfalen) einbezogen.
Und wie fällt letzterer Konzernabschluss für das Jahr 2021 aus? Dazu ist im Bundesanzeiger bislang nichts zu finden.
Noch 2019 Überschuss von 93 Mio. Euro
Wie kann das sein? Der zuständige Bundesanzeigerverlag weist allgemein darauf hin, dass infolge der Corona-Pandemie die Belange der Beteiligten angemessen berücksichtigt würden und gegen Unternehmen, die die Offenlegungsfrist bis Ende 2022 nicht einhielten, erst nach dem 11. April, also nach Ostern, ein Ordnungsgeldverfahren eingeleitet werde.
Für das Geschäftsjahr 2019 hatte das Unternehmen Universal Utility International GmbH & Co. KG mit Sitz in Kaarst übrigens einen Überschuss von 93 Mio. Euro erwirtschaftet. Der Bericht für 2020 fehlt. Die Konzerntochter Grünwelt Wärmestrom buhlt seit einigen Monaten auf Vergleichsportalen wieder um Neukunden.
Fall Extraenergie
Schlagzeilen machte im vergangenen Jahr auch der Stromanbieter Extraenergie. Er erhöhte trotz gültiger Preisgarantien seine Endkundenpreise. Dies habe ihm rechtlich nicht zugestanden, urteilte jüngst das Oberlandesgericht Düsseldorf. (Die ZfK berichtete.)
Auch Extranergie hat seinen Hauptsitz in Monheim am Rhein. Und auch hier fehlen die Berichte zu den jüngsten Geschäftsjahren.
Kein Neukundenvertrieb bei Extraenergie
Das Geschäftsjahr des Unternehmens dauert üblicherweise von Oktober bis September des darauffolgenden Jahres. Der zuletzt offengelegte Geschäftsbericht umfasst den Zeitraum bis zum 30. September 2020. Wie sich Extraenergie in der Energiekrise schlug, die im Herbst 2021 ihren Anfang nahm, ist also im Bundesanzeiger nicht nachzulesen.
Auch Extraenergie hat bislang bei der Bundesnetzagentur keine Aufgabe seines Energievertriebs angezeigt. Auf der Firmenwebsite ließen sich zuletzt aber zuletzt keine neuen Strom- und Gasverträge abschließen. Die aktuelle politische Lage sorge nach wie vor für starke Schwankungen auf dem Energiemarkt, heißt es dort. "Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, vorübergehend die Vermarktung unserer Neukundentarife einzustellen." (aba)



