Obwohl Bewegung um das Tauziehen der Auricher Netze gekommen ist, stellt der künftige Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) die Zukunft der Stadtwerke in Frage. Das Bild zeigt das Kundenzentrum des mehrheitlich kommunalen Versorgers.

Obwohl Bewegung um das Tauziehen der Auricher Netze gekommen ist, stellt der künftige Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) die Zukunft der Stadtwerke in Frage. Das Bild zeigt das Kundenzentrum des mehrheitlich kommunalen Versorgers.

Bild: © Stadtwerke Aurich

Bitteres Ende für die Stadtwerke Aurich: Trotz zahlreicher Interessensbekundungen, auch aus der Stadtwerkebranche, hat sich bis Mitte Juni kein Käufer für das in erster Linie im Vertrieb tätige Unternehmen gefunden. "Aufgrund der Coronakrise ist die Risikobereitschaft bei vielen Interessenten stark gesunken, bei vielen hat aktuell die eigene Konsolidierung und interne Optimierung Priorität", erklärte Frank Köster-Düpree, Leiter Marketing und Kommunikation bei den Stadtwerken Aurich. Aufgrund des gescheiterten Verkaufs erhalten nun fünf Mitarbeiter des Unternehmens eine Kündigung zum 30. September. Geschäftsführerin Heike Witzel, die den Verkaufsprozess koordinierte, beendet bereits einige Monate früher als geplant ihre Tätigkeit in Aurich. Sie wechselt zur Rhenag-Gruppe ins Rheinland. Der Regionalversorger bestätigte auf Anfrage, dass Witzel ab ersten September eine leitende Funktion  bei der Rhenag-Tochter Rhein-Sieg-Netze übernehmen wird.

Verträge laufen teils noch bis 2022

Die Stadtwerke Aurich werden die Lieferverpflichtungen gegenüber den rund 2000 Privatkunden und den weiteren 2000 Energieabnehmern aus dem gewerblichen Bereich erfüllen, diese laufen zum Teil noch bis 2022. Witzels Nachfolgerin Monika Noormann wird nun gemeinsam mit zwei Mitarbeitern aus dem bestehenden Stadtwerketeam die Abwicklung des Unternehmens koordinieren.
Noormann, die gleichzeitig Geschäftsführerin der 
NettCon Energy GmbH in Leer ist, wird die Aufgabe in Aurich in einem Teilzeitpensum wahrnehmen. Auch ein Verkauf des Privatkundenportfolios ist in den vergangenen Monaten geprüft worden. Da das Unternehmen aber bereits einen Großteil der benötigten Energiemengen eingekauft hat, wäre diese Option angesichts des jetzigen Stromrpeisniveaus aber deutlich teurer geworden als eine Weiterführung des Betriebs bis 2022.

Stadtwerke ziehen sich aus Konzessionsverfahren zurück

Neben der Coronakrise soll auch die fehlende Perspektive für ein Weiterbestehen der Marke Stadtwerke Aurich, einige Interessenten von weitergehenden Verkaufsgesprächen abgehalten haben. Die Stadt Aurich, die 60 Prozent der Anteile an den Stadtwerken hält, will sich künftig komplett aus dem defizitären Unternehmen zurückziehen. Entsprechend wird man auch die Marke nicht glaubhaft aufrechterhalten können. Zweiter Gesellschafter der Stadtwerke Aurich ist der kriselnde Windanlagenhersteller Enercon. Auch die jahrelange Pattsituation in Sachen Strom- und Gasnetzkonzessionen hat sich aufgelöst. In einer Ratssitzung Anfang Juni haben die Stadtwerke ihr Angebot aus dem Konzessionsverfahren zurückgezogen. Die Netze werden damit jetzt auch offiziell vom Regionalversorger EWE betrieben, die Vertragslaufzeit beträgt 20 Jahre. EWE hatte sein offenbar günstigeres Angebot aus dem Bewerbungsverfahren bis Ende Juni befristet.

Ohne Netze keine Perspektive

Die Stadtwerke Aurich waren mit dem Ziel der Übernahme der Netzkonzessionen gegründet worden. Sowohl 2011 als auch 2017 hatten sie im Vergabeverfahren für die Strom- und Gasnetzkonzessionen den Zuschlag erhalten, beide Male hatte EWE dies wegen Verfahrensfehlern erfolgreich angefochten. Ohne Netzkonzessionen ließen sich die Stadtwerke Aurich aber nicht profitabel betreiben. Im Bereich Vertrieb und Energiedienstleistungen verzeichneten die Stadtwerke einige Erfolge. Doch bis die Gewinnschwelle erreicht werden kann, ist es noch ein weiter Weg. Diese Geduld brachten aber weder die Kommune, unter dem im vergangenen Jahr neu gewählten, parteilosen Bürgermeister Horst Feddermann, noch Enercon auf. (hoe)

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