Das Projekt "Smarte Energieregion Arnsberg und Sundern" ist Teil von "E.ON Labs" des Essener Energiekonzerns Eon, zu dem der Verteilnetzbetreiber Westenergie gehört. In dieser Modellregion will Westnetz aufzeigen, wie die Zukunft der Verteilnetze im Jahr 2030 schon heute aussehen könnte: nämlich flexibler, smarter und bedarfsgerechter.
Neben Arnsberg und Sundern in Nordrhein-Westfalen bildet Lüneburg in Niedersachsen die zweite Modellregion, wo der Erneuerbarenanteil bereits heute bei über 100 Prozent liegt.
Mit dem dortigen Netzbetreiber Avacon, ebenfalls Eon-Tochter, sei ein enger Austausch über die Fortschritte und die Erfahrungswerte des Projekts vorgesehen, erfuhr die ZfK auf Anfrage.
Erneuerbarenzubau und Datenflut
Mit dem steigenden Erneuerbarenanteil bei der Energieerzeugung steigen die Anforderungen an die Verteilnetze, wo über 90 Prozent dieses Stroms einfließen, sagte Geschäftsführer von Westnetz, Patrick Wittenberg, bei der Vorstellung des Vorhabens in der neuen Netzleitstelle im nordrhein-westfälischen Arnsberg.
"Die Westenergie-Gruppe hat in den vergangenen 15 Jahren 265.000 PV-Anlagen an das Netz angeschlossen. Jetzt müssen wir allein 675.000 Anlagen bis 2030 anschließen", erläuterte er. Für diese zusätzlichen Aufgaben waren die Verteilnetze ursprünglich nicht ausgelegt.
"Smarte Energieregion Arnsberg und Sundern"
Die steigende Menge an fluktuierender Energie bedeutet zugleich eine Datenflut, die es zu managen gilt. Die intelligenten Netze lassen sich aus der Ferne steuern und beobachten. Die gewonnenen Daten über Energieflüsse, Spannung und mögliche Engpässe helfen, die Infrastruktur bedarfsgerechter auszubauen und effizienter zu betreiben.
Die "smarte Energieregion Arnsberg und Sundern" verfügt bereits über digitale Ortsnetzstationen, die neben der für diese Anlagen üblichen Aufgabe zur Umwandlung von Mittelspannung in Niederspannung in Echtzeit zusätzliche Daten über Mobilfunk und Glasfaser mitliefern. In Arnsberg und Sundern hat Westnetz nach eigenen Angaben nämlich über 70 digitale Ortsnetzstationen und mehr als 2200 Smart Meter installiert. In dem Gebiet mit etwa 102.000 Einwohnern soll die Zahl der Smart Meter demnächst auf eine "hohe fünfstellige Zahl" wachsen.
"Pioniere der künftigen Energieversorgung"
Hinzukommen sollen auch zwei neue Umspannwerke, die teilweise bereits fertiggebaut seien, sagte Wittenberg im Gespräch mit der ZfK. Die Idee dahinter: möglichst klimaneutrale Anlagen auf dem aktuellsten Stand der Technik.
Dazu zählen Glasfaser satt Kupfer sowie PV-Anlagen auf den Dächern. In Summe aus geplanten und vorhandenen Komponenten mache das die Region zu Pionieren für die Energieversorgung der Zukunft, hieß es.
Westnetz darf "dimmen"
Der ab dem 1. Januar 2024 geltende § 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) werde in der Modellregion Arnsberg und Sundern eine wichtige Rolle spielen, kündigte Wittenberg an.
Diese Regelung räumt den Netzbetreibern die Möglichkeit einer netzorientierten Steuerung des Verbrauchs ein. In dieser Modellregion wolle Westnetz testweise bestimmte Kunden "dimmen". Wichtig sei, dass niemand vollständig abgeregelt werde, stellte er klar.
Keine Fördergelder
Zu den Investitionskosten des Vorhabens wollte sich Wittenberg auf Anfrage nicht äußern. Nur so viel: Das Projekt erhält keine Fördergelder. Es handle sich nicht um ein befristetes Vorhaben, bei dem nach zwei Jahren Ergebnisse präsentiert werden sollen, fügte er hinzu. Vielmehr sei das ein kontinuierlicher Lernprozess, bei dem die Erkenntnisse fortlaufend ausgewertet und genutzt werden. "Es ist ein agiler Ansatz, den wir hier verfolgen." (am)
