Das Wettbewerbsniveau der Gebotsrunde zum 1. August für Winkraftanlagen an Land ist rekordverdächtig niedrig. Von den ausgeschriebenen 650 MW konnten lediglich 208 MW vergeben werden. Damit ist das Verhältnis noch schlechter als bei der Ausschreibung im Mai 2019.
Damals erhielten von 670 MW zumindest 604 MW einen Zuschlag, damit war die Runde erstmals seit der Umstellung auf den Ausschreibungsmodus im Jahr 2017 unterzeichnet. Doch nicht nur bei der Gebotsmenge sticht die aktuelle Gebotsrunde negativ hervor, auch bei den durchschnittlichen Zuschlagswerten fährt sie bedenkliche Werte ein.
32 Zuschläge überwiegend aus West und Ost
Der durchschnittliche Zuschlagswert von 6,20 Cent pro kWh entspricht dem geltenden Höchstwert für diese Ausschreibungsrunde. Es gingen ausschließlich Gebote zu 6,20 Cent und 6,19 Cent pro kWh ein. Im Vergleich dazu lag der Durchschnittswert im Mai noch bei 5,73 Cent pro kWh, was dem Niveau vom Mai 2017 entsprach.
Auch VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche sieht die Entwicklungen mit Sorge: "Die heutigen Ergebnisse zeugen von einem erneuten Tiefpunkt beim Ausbau der Windenergie an Land. Noch nie war die Beteiligung an der Windenergie-Ausschreibung so gering wie bei diesem Mal. Nicht mal ein Drittel der ausgeschriebenen Menge konnte bezuschlagt werden."
20 Prozent der kommunalen Windleistung drohen zu scheitern
Es sei dringend notwendig, mehr Flächen für die Windenergie bereitzustellen und Genehmigungsverfahren zu vereinfachen. Viele Windenergieprojekte von Stadtwerken scheiterten daran, dass Vorschriften in Bezug auf Naturschutz, Flugsicherung oder Denkmalschutz viel zu streng ausgelegt werden, so Reiche weiter. Der VKU steht hierzu in einem engen Austausch mit seinen Mitgliedern. Eine aktuelle Abfrage zeigt, dass es Stadtwerke gibt, bei denen jeweils bis zu 20 Projekte mit einer Leistung von bis zu 400 Megawatt an den Genehmigungsverfahren zu scheitern drohen.
"Der von Bundesminister Altmaier angekündigte Windenergiegipfel ist eine Chance, Wege aus der Ausbaukrise zu finden. Anderenfalls droht nicht nur dem Windenergieausbau, sondern auch dem Projekt Energiewende insgesamt die Puste auszugehen", betonte die VKU-Hauptgeschäftsführerin.
Vierte Unterzeichnung in Folge
"Dies ist nun die vierte Unterzeichnung der Ausschreibungen für Windenergie an Land in Folge. Die Energiewende scheint regelrecht gelähmt. Inzwischen rechnet schon niemand mehr mit Wettbewerb, weshalb dieses Mal fast alle Gebote mit dem Höchstwert abgegeben wurden", kommentierte Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems, die dritte Ausschreibungsrunde dieses Jahres.
Kürzere Realisierungsfrist
Insgesamt hatten zum 1. August 32 Zuschläge Erfolg. Die regionale Verteilung zeichnet dabei ein ähnliches Bild wie vor drei Monaten. Brandenburg und Nordrhein-Westfalen waren mit jeweils acht Zuschlägen die Spitzenreiter. Es folgten Niedersachsen und Thüringen mit fünf und vier erfolgreichen Projekten.
Nur ein Gebot musste aufgrund von Formfehlern ausgeschlossen werden. Eine Besonderheit der August-Ausschreibung ist die geringere Realisierungsfrist im Vergleich zu den bevorstehenden Ausschreibungen im September und Oktober. (ls)

