Die gestiegenen Netzentgelte führen auch dazu, dass die Branche die Redispatch-Kosten stärker unter die Lupe nimmt.

Die gestiegenen Netzentgelte führen auch dazu, dass die Branche die Redispatch-Kosten stärker unter die Lupe nimmt.

Bild: © David Woods/AdobeStock

Der Ausbau der Erneuerbaren sorgt für Mehrkosten im Betrieb der Stromnetze. Davon sind Regionen überproportional betroffen, die bei der Energiewende schon weiter vorangeschritten sind. Die Bundesnetzagentur hatte kürzlich angekündigt, diese Merkosten künftig fairer verteilen zu wollen. Wesentliche Änderung: Einige Netzbetreiber sollen die Zusatzkosten dann auf alle Stromverbraucher "wälzen" dürfen.

Eine Studie des Lehrstuhls für Energiewirtschaft an der TU Dresden, beauftragt vom Erneuerbaren-Unternehmen VSB, hat sich nun die Auswirkungen einer solchen "überregionalen Wälzung" von Stromnetzentgelten angeschaut. Das Ergebnis: Bis 2040 könnte ein erheblicher Anteil der Netzkosten bundesweit umgelegt werden, was eine gleichmäßigere Verteilung zur Folge hätte.

Deutschland-Ticket für Netzanschluss

Denn laut Berechnungen könnten die Verteilnetzbetreiber bis 2030 etwa 40 Prozent und bis 2040 etwa 60 Prozent aller anfallenden Kosten bundesweit umwälzen. Dies verändere jedoch die bisherige Netzentgeltsystematik "erheblich", so die VSB Gruppe. Gleichzeitig blieben wichtige Probleme der Energiewende ungelöst.

Stattdessen empfiehlt das Unternehmen daher eine grundlegende Reform der Entgeltgestaltung und schlägt statt eines Wälzungsmechanismus die Einführung bundesweit einheitlicher Verteilnetzentgelte vor. Die Verteilungsproblematik solle vielmehr durch eine radikale Vereinfachung des Systems erreicht werden. Bundesweit einheitliche Verteilnetzentgelte seien quasi das "Deutschland-Ticket für den Netzanschluss" und "das Mittel der Wahl", wird Thomas Winkler, Geschäftsführer der VSB Deutschland, in einer Presseaussendung zitiert.

Rekordanteil am Strompreis

Mit einem Anteil von bis zu 25 Prozent am Netto-Endkundenpreis sind Netzentgelte derzeit der zweitgrößte Kostenbestandteil nach der Energiebeschaffung. Laut der Strompreisanalyse des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erreichte der Netzentgeltanteil am Endkundenpreis im ersten Quartal 2024 einen Höchststand von 27,2 Prozent.

In Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte sind die Verteilnetzentgelte typischerweise niedriger als in ländlich geprägten Gebieten, da die Netzlänge und Anzahl der Betriebsmittel zur Versorgung je Kundenanschluss geringer ist. Zudem sind in Gebieten mit hohen Windenergie- und Photovoltaikkapazitäten zusätzliche Investitionen für deren Netzanschluss und den Ausbau des Netzes erforderlich, die bisher über Netzentgelte allein auf die Verbraucher im betreffenden Netzgebiet umgelegt werden. (jk)

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