Die Geschwindigkeit, die US-Elektrobauer Tesla beim Bau seiner Fabrik in Grünheide an den Tag legt, hat so manchen in der Energiebranche beeindruckt.

Die Geschwindigkeit, die US-Elektrobauer Tesla beim Bau seiner Fabrik in Grünheide an den Tag legt, hat so manchen in der Energiebranche beeindruckt.

Bild: © Dmitry Novikov/Unsplash

Bislang gehört Brandenburg zu den großen Gewinnern der Energiewende. Kaum ein anderes Bundesland setzte so früh und konsequent auf Windkraftanlagen, kaum ein anderes Bundesland erzeugt inzwischen pro Kopf so viel erneuerbaren Strom. Trotzdem macht sich die Erneuerbaren-Branche nun Sorgen.

In den nächsten fünf Jahren fällt fast die Hälfte der heutigen Windenergieanlagen in Brandenburg aus der EEG-Förderung, warnte der Branchenverband BWE. Unternehmer klagen zudem über zu lange und komplizierte Genehmigungsverfahren bei Repowering und Ausbau. Auch deshalb droht das Land sein Windziel für 2030 (8,6 GW) zu verfehlen.

"Verfahren müssen schlanker werden"

Harald Jahnke, Chef der Stadtwerke Prenzlau und Vorsitzender der VKU-Landesgruppe Berlin/Brandenburg, kennt die Schwierigkeiten gut. Sein Kommunalunternehmen betreibt selbst mehrere Windkraftanlagen in Brandenburg.

Jahnke würde gern noch mehr errichten. Pachtverträge in Windeignungsgebieten wären da. Allerdings stocken die Planungen wegen naturschutzrechtlicher Einwände. Der Stadtwerkechef fordert: "Um unsere Klimaziele zu erreichen, müssen wir die Windkraft deutlich ausbauen. Da müssen die Verfahren schlanker und schneller werden."

Tesla als Vorbild?

Der kalifornische Autobauer Tesla scheint gerade vorzumachen, wie es auch anders gehen kann. Im November 2019 kündigte er den Bau einer neuen Gigafactory in Grünheide an. Nicht einmal zwei Jahre später sollen die ersten Elektroautos vom Band laufen.

Zwar könnte sich der für Juli geplante Start aufgrund von Genehmigungsproblemen um ein paar Monate verzögern. Trotzdem wäre Teslas Bauvorhaben damit wohl noch immer deutlich schneller umgesetzt als deutsche Konzepte vergleichbarer Größenordnung.

"Nicht Verwaltung handelt anders, sondern Investor"

Als Blaupause für deutsche Unternehmen diene dieses Vorgehen allerdings nicht, sagt Brandenburgs Wirtschafts- und Energieminister Jörg Steinbach. "Es ist nicht die Verwaltung, die anders handelt als sonst, sondern der Investor. Tesla baut, ohne eine abschließende Genehmigung zu haben. Das entspricht nicht der deutschen Risikomentalität."

Für Steinbach liegt der eigentliche Tesla-Effekt ohnehin woanders. "Viele Unternehmen wurden dadurch erst auf Brandenburg und seine Rahmenbedingungen aufmerksam", erklärt der SPD-Politiker. "So gut wie jedes Unternehmen, das sich bei uns ansiedeln will, erkundigt sich inzwischen, wie es um Energieversorgung und CO2-Footprint steht. Da haben wir als Bundesland mit dem größten Pro-Kopf-Ausbau erneuerbarer Energien einen Vorsprung gegenüber wirtschaftsstarken Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg."

Ersatz für Jänschwalde und Schwarze Pumpe

Allerdings ist es für Brandenburg noch ein weiter Weg zur Klimaneutralität. Eine Energiestrategie für die Jahre 2030 und 2040 arbeitet Steinbachs Ministerium gerade aus. Es gilt, Erzeuger fossiler Energie wie die Kohlekraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe (geplante Stilllegung 2028 bzw. 2038) zu ersetzen und zusätzlichen Strombedarf, beispielsweise durch Tesla, neue Rechenzentren und mehr E-Mobilität, zu decken. Ferner sollen erneuerbare Energien zunehmend die Wärmeversorgung übernehmen.

Dabei zeichnet sich ab, dass Photovoltaik bis 2030 deutlich stärker ausgebaut werden soll als Wind. Zwar hält Steinbach Wind weiter für einen zentralen Teil im Energiemix, verweist aber auch darauf, dass es "ganz wichtig" sei, die Bevölkerung von Anfang mit einzubeziehen und an Projekten etwa im Rahmen von Bürgerstrommodellen teilhaben zu lassen.

Siehe auch: Kadri Simson: "Energiesanierungsrate in der EU bis 2030 verdoppeln"

Windenergie im Wärmesektor "Quatsch"

Zudem sei Wind nicht für alle Energiebereiche geeignet. Die Nutzung von Windenergie im Wärmesektor etwa sei angesichts hoher Wirkungsgradverluste "Quatsch". "Es muss darum gehen, unseren Energiemix in den verschiedenen Zielbereichen vernünftig einzusetzen".

Dass kommunalen Unternehmen beim Umbau der Brandenburger Energieversorgung eine zentrale Rolle zufällt, steht für Steinbach dabei außer Frage. "Ich bin ein großer Fan kommunaler Versorger", sagt er. "Angesichts einer zunehmend dezentralen Energieversorgung bin ich über jedes Stadtwerk froh, das Verantwortung übernimmt und eigene, lokale Lösungen entwickelt." (ab)

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