Von Hans-Peter Hoeren
Die Berliner Stadtreinigung (BSR) erstellt seit 2009 Nachhaltigkeitsberichte, seit 2012 auch nach dem Standard des Deutschen Nachaltigkeitskodex (DNK). Nach eigenen Angaben ist die BSR das erste kommunale Unternehmen gewesen, dass nach DNK berichtet hat, an dessen Entwicklung es auch mitbeteiligt war.
Seit 2018 ist die Berichterstattung nach DNK für große öffentliche Unternehmen im Land Berlin verpflichtend. Die Nachhaltigkeitsberichterstatttung nach der EU-Direktive CSRD wird vom Land Berlin als künftiger Berichtsstandard für große öffentliche Unternehmen gefordert, allerdings ist noch unklar, was in der Zwischenzeit passiert.
Als im Frühjahr die EU-Kommission deutliche Lockerungen der Nachhaltigkeitsdirektive CSRD angekündigte, hat der Nachhaltigkeitsbeauftragte der Berliner Stadtreinigung (BSR), Markus Spitznagel, aktiv die Kommunikation mit dem Vorstand des kommunalen Unternehmens gesucht. Die Einführung der CSRD war bereits im vollen Gang, die doppelte Wesentlichkeitsanalyse schon vollzogen, die Datenerhebung hatte begonnen. Und jetzt hat man auf einmal zwei Jahre mehr Zeit, statt 2026 muss die BSR nun erst 2028 einen Nachhaltigkeitsbericht nach CSRD erstellen?
"Nach all diesen Vorarbeiten die Umsetzung zwei Jahre ruhen zu lassen oder aufzuschieben, war aus unserer Sicht keine Alternative. Wir wollten hier weitermachen", sagt Spitznagel, auch wenn die EU den zusätzlichen Aufwand jetzt erst einmal aufgeschoben hatte.
Synchronisierung der Managementsysteme und Prozessoptimierungen
"Das Narrativ vom Bürokratiemonster CSRD war auch in unserem Unternehmen bisweilen zu hören. "Hier war es uns wichtig aufzuzeigen, dass dieses Monster aber auch eine ganze Menge Chancen bereithält", sagt Spitznagel. Mit Erfolg. "Wir konnten das Narrativ zum Thema CSRD im Unternehmen positiv belegen."
Die Umsetzung der deutlich weitreichenderen CSRD-Vorgaben will das Berliner Unternehme neben einer besseren Unternehmenssteuerung auch für interne Prozessoptimierungen und die Synchronisierung der eigenen Managementsysteme wie Umwelt-, Qualitäts- oder Energiemanagement nutzen. Hier geht es unter anderem darum, Doppelerhebungen von Daten zu vermeiden und Effizienzen zu heben. "Hier sehen wir zusätzlich einen ganz großen Wert der CSRD-Umsetzung."
Angesichts der Größe und Komplexität der BSR hat man mit Beginn der Umsetzung der CSRD ein internes Projekt aufgesetzt. Neben dem hauptamtlichen, dreiköpfigen Nachhaltigkeitsteam um Markus Spitznagel und Janka Eckert gibt es eine größere, interdisziplinäre Projektgruppe der verschiedensten Fachbereiche. "Das läuft sehr gut und hat sich als sehr produktiv erwiesen. Auch für die einzelnen Fachbereiche ist es sehr hilfreich, um konkrete Strategien und Maßnahmen aus den Unternehmenszielen ableiten zu können", verdeutlicht Janka Eckert, Referentin Nachhaltigkeit bei der BSR. Zusätzlich wurde eine externe Beratung zur Unterstützung mit an Bord genommen.
"Schauen, wo es noch Lücken gibt in der Datenerhebung"
Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse und die GAP-Analyse hat man bei der BSR bereits umgesetzt. "Wir finalisieren jetzt die notwendigen Strukturen und schauen, wo es noch Lücken gibt in der Datenerhebung und wo wir nachsteuern müssen", sagt Janka Eckert. Natürlich begrüße man aber auch, wenn im Zuge der angekündigten Lockerungen der CSRD der Aufwand reduziert werde und gegebenenfalls der eine oder andere Datenpunkt noch wegfalle.
In der zweiten Jahreshälfte will die BSR einen ersten Probebericht in Anlehnung an die bisherigen CSRD-Vorgaben erstellen.
Vorgaben der CSRD unterstützen Umsetzung der eigenen Nachhaltigkeitsstrategie
Zwei konkrete Steuerungsbeispiele nennt sie in diesem Zusammenhang. Die BSR hat das Ziel, ihre CO2-Emissionen im Energiebereich bis 2030 zu halbieren, bis 2045 will man klimaneutral sein. Um dies zu erreichen, müssten die entsprechenden Teilbereiche beständig kommunizieren, welche Maßnahmen dafür konkret umgesetzt werden müssten. Da gehe es unter anderem um Themen wie die Umstellung des Fuhrparks auf alternative Antriebe oder klimaschonende Vorsortierungstechnologien für den Anlagenbetrieb, aber auch eine Vielzahl von Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen etwa in den Heizungs- und Lüftungsanlagen der Immobilien.
Die Klimaneutralitätsstrategie habe das Unternehmen auch unabhängig von der CSRD erstellt, die konkreten Vorgaben der Direktive hätten diesen Prozess aber zusätzlich unterstützt und mit den dafür passgenauen Daten versehen, respektive eine genauere Steuerung ermöglicht.
Große Synergiepotenziale
Zudem biete die CSRD-Umsetzung auch organisatorische Vorteile für die BSR. Ein Arbeitsschutz-, ein Umwelt- und ein Qualtitätsmanagement habe man bereits, neu werde jetzt künftig ein Energiemangement eingeführt. "Aus den Anforderungen der CSRD ergeben sich starke Synergien mit den vorhanden Management-Systemen hinsichtlich Strategien, Maßnahmen und Unternehmenszielen“, sagt Eckert.
Letztlich lasse sich über die erhobenen Daten noch genauer monitoren, inwiefern die ergriffenen Maßnahmen sich genau auf die Erreichung der Ziele des Unternehmens auswirken, ob alle Anforderungen berücksichtigt wurden und ob und wo man gegebenenfalls nachjustieren müsse. "Wir erhoffen uns vor allem eine gute Datengrundlage sowie klarere und optimierte Prozesse , die uns zeigen werden, wo wir Dinge gegebenenfalls doppelt gemacht haben oder wo wir bestimmte Maßnahmen eben auch erst noch in Angriff nehmen müssen", so Spitznagel und Eckert.
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