Die geplanten Lockerungen der EU-Nachhaltigkeitsdirektive CSRD im Zuge des Omnibus-Verfahrens zwingen viele der bisher berichtspflichtigen kommunalen Unternehmen dazu, ihre bisherige Umsetzungsstrategie zu überdenken. Viele haben bereits mit dem Aufbau eines Nachhaltigkeitsmanagements begonnen oder erste wichtige Schritte dahin unternommen. Welche Handlungsoptionen haben sie jetzt? Gibt es gegebenenfalls andere Maßnahmen, um thematisch am Ball zu bleiben?
Das ist eines der Fokusthemen der diesjährigen ZfK-Nachhaltigkeitskonferenz am 17. Juni in Berlin. Dabei wollen wir verschiedenste Aspekte in den Blick nehmen, auch in sechs vertiefenden Workshops. Das Themenspektrum reicht von Reportingtools, Datensynchronisierung bis hin zu Automatisierung, No-Regret-Maßnahmen, Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell und der neuen Rolle von Nachhaltigkeitsmanagern nach der Omnibus-Verordnung. Dem Thema Dekarbonisierungsstrategie werden sich dabei Naomi Mzyk und Hidir Altonik von Rödl & Partner widmen. Worum es dabei genau gehen soll, erklären Sie in einem kurzen Beitrag. Mehr zum Programm der ZfK-Nachhaltigkeitskonferenz finden Sie hier.
Gastbeitrag von:
Naomi Mzyk und
Hidir Altinok,
Rödl & Partner
Durch die Folgen des Klimawandels rücken Emissionen zunehmend in den Fokus der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Dekarbonisierung – also die schrittweise Reduktion von Treibhausgasen – gewinnt dabei an Bedeutung, gesellschaftlich und auf Unternehmensebene. Sie ist nicht nur essenziell für den Klimaschutz, sondern ein tiefgreifender Transformationsprozess, der zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt.
Besonders Stadtwerke stehen dabei unter Druck. Als zentrale Versorger in den Bereichen Strom, Wasser und Wärme sind sie einerseits gefordert, die Infrastruktur zukunftsfähig zu gestalten und anderseits, den zukünftigen Anforderungen einer klimaneutralen Energieversorgung gerecht zu werden.
Dekarbonisierung: Technischer Wandel mit wirtschaftlichem Risiko
Ein zentrales Handlungsfeld ist die Wärmewende. Der Ausstieg aus fossilen Heizsystemen erfordert den Umstieg auf klimafreundliche Technologien wie Wärmepumpen, Solarthermie oder grüne Fernwärme. Gleichzeitig schreitet die Elektrifizierung des Sektors mit dezentralen Wärmepumpen, sowie der Elektromobilität im Verkehrssektor voran. Die Elektrifizierung dieser Sektoren bringt erhebliche Anforderungen an die Stromnetze und deren Steuerbarkeit.
Hinzu kommt der zunehmende Druck auf das Gasgeschäft. Der Rückgang des Gasverbrauchs – etwa durch gesetzliche Vorgaben oder verändertes Nutzverhalten – führt zu sinkenden Umsätzen, während gleichzeitig neue Investitionen in alternative Versorgungswege notwendig werden.
Für Stadtwerke ergibt sich daraus ein komplexes Spannungsfeld. Sie müssen gleichzeitig in neue, klimafreundliche Infrastrukturen investieren, bestehende Systeme transformieren und dabei wirtschaftlich handlungsfähig bleiben. Viele dieser Investitionen sind langfristig angelegt, während die Erlösmodelle sich noch im Wandel befinden oder regulatorisch nicht abschließend geklärt sind. Hinzu kommen Unsicherheiten bei der Planung, etwa durch sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen, technologische Entwicklungen oder gesellschaftliche Erwartungen.
Weitere Herausforderungen jenseits der Energiewende
Stadtwerke sehen sich zusätzlich zur Dekarbonisierung mit weiteren Herausforderungen konfrontiert, die unmittelbar aus den Folgen des Klimawandels resultieren. Diese betreffen sowohl die technische Infrastruktur (Wasser- und Abwasserinfrastruktur, Stromnetze) als auch die strategische Ausrichtung der Versorgungssysteme. Daraus ergeben sich zusätzliche Anforderungen an Planung, Risikomanagement und Anpassungsfähigkeit, die über die klassische Energiewende hinausgehen und eine ganzheitliche Betrachtung der Versorgungsaufgaben notwendig machen.
Strategische Planung und Umsetzung als Schlüssel
Um diesen Herausforderungen wirksam zu begegnen, ist eine strategische Planung unerlässlich. Stadtwerke müssen mittelfristig nicht nur erhebliche Investitionen tätigen, sondern zugleich eine tragfähige und realistische Finanzierung sicherstellen. Da die genannten Themen eng miteinander verknüpft sind, bedarf es auch einer integrierten Betrachtung aller relevanten Risiken und Handlungsfelder. Dies erfordert langfristiges, ganzheitliches Denken sowie eine frühzeitige und strukturierte Umsetzung. Eine Dekarbonisierungstrategie ist der erste Schritt zu einem zukunftsfähigen Stadtwerk.
Die strategische und praktische Umsetzung der Dekarbonisierung bei kommunalen Unternehmen steht im Fokus des Workshops "Dekarbonisierung bei kommunalen Unternehmen – Strategie & Praktische Umsetzung" von Rödl & Partner auf der ZfK-Nachhaltigkeitskonferenz am 17. Juni 2025.
Dabei geht es um konkrete Wege, wie Stadtwerke den Wandel hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung erfolgreich gestalten können – unter Berücksichtigung technischer, wirtschaftlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen. Der Workshop bietet Raum für Austausch und bespricht Praxisbeispiele der Umsetzung.
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